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Pleitgen über Solschenizyn: "Da stand einer auf und forderte die Sowjets heraus"

DORTMUND "Das war schon eine faszinierende Auseinandersetzung, wie da ein Einzelner aufstand und die Weltmacht Sowjetunion herausforderte." Mit Hochachtung spricht Fritz Pleitgen, Chef der Kulturhauptstadt 2010 und von 1970 bis 1977 Auslandkorrespondent in Moskau, vom Schriftstellers Alexander Solschenizyn.

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Fritz Pleitgen hat als Auslandskorrespondent über Solschenizyn berichtet.

Rückkehr in die Heimat: 1994 konnte Alexander Solschenizyn aus dem Exil wieder nach Russland übersiedeln. Auf einer 55-tägigen Zugreise von Wladiwostok nach Moskau wollte er das veränderte Land kennenlernen.

 "Er war von seiner Mission erfüllt, kompromisslos und außerordentlich mutig - und mit Sicherheit ein Sargnagel für das Sowjetimperium."

Persönlich hatte Pleitgen den Autor in Russland nicht kennengelernt. Solschenizyn gab nur selten Interviews. Pleitgen berichtete über den Dissidenten jedoch bei mehreren Gelegenheiten. Etwa bei der Beerdigung des regimekritischen Chefredaketeurs Twardowskij, der in seiner Zeitschrift "Nowyj Mir" die Texte Solschenizyns veröffentlicht hatte. "Die Beisetzung war eine bizarre Angelegenheit, weil Dutzende von KGB-Agenten auf dem Friedhof waren", erinnert sich Pleitgen. "Solschenizyn stand dort selbstbewusst, souverän und ruhig."

Anderes sieht Pleitgen, der auch Bücher Solschenizyns nach Russland schmuggelte, kritisch. Der Autor habe starke nationalistische Tendenzen gehabt. "Er meinte, der Slawismus habe eine besondere Heilswirkung für die ganze Welt." Und verblüffenderweise schaute sich Solschenizyn beim verhassten Regime auch manche Technik ab, was den Umgang mit den Medien anging. Pleitgen erinnert sich an drei Kollegen, die einen Interviewtermin bekommen hatten. Als sie eintrafen, legte der Nobelpreisträger ihnen das Gespräch schon getippt vor - mitsamt Fragen und Antworten. Es wurde zwar abgedruckt, jedoch mit einem entsprechenden Hinweis.

In seiner Rolle als Aufklärer bleibe Solschenizyn eine wichtige Figur der Weltgeschichte, fasst Pleitgen zusammen. Die Sowjets hätten geglaubt, dass sich die Gräueltaten Stalins unter den Teppich würden kehren lassen, und den Diktator verteidigt, als längst nichts mehr zu verteidigen war. Pleitgen: "Das ist das, was totalitäre Regime wie jetzt auch in China nie verstehen. Wenn sie versuchen, die freie Meinung zu unterdrücken, schlägt das auf sie zurück."

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