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Public Viewing: Bayreuth mal ganz billig

BAYREUTH In den "Meistersingern von Nürnberg" ist Richard Wagner dem Volke nah. Und den Wagnerianern heilig.

von Von Lorenz Tomerius

, 28.07.2008
Public Viewing: Bayreuth mal ganz billig

Zum ersten Mal nicht mehr exklusiv, sondern auch kostenlos und draußen: Wagners ?Meistersinger? waren auf dem Volksfestplatz in Bayreuth zu sehen.

Seine Urenkelin Katharina bekam das jetzt zu spüren. Die Kronprätendentin möchte zwar gemeinsam mit ihrer Halbschwester Eva Wagner-Pasquier die Nachfolge ihres Vaters Wolfgang (88), der die Leitung der Festspiele zum Ende der Saison abgeben will, antreten. Doch bei der Wiederaufnahme ihrer schon im letzten Jahr kontrovers diskutierten Inszenierung geriet die 30-jährige Katharina mit ihrem Team in geharnischtes Buh-Gewitter.

Ihre kesse, flapsige Regie wirkte bei neuer Betrachtung erstaunlich schnell gealtert. Die Verweildauer manch oberflächlichen Einfalls ist kurz. Klaus Florian Vogts lässig smarter Stolzing, Michael Volles karrierewütiger Beckmesser, Michaela Kaunes lyrische Eva und Franz Hawlatas Hans Sachs konnten das nicht auffangen.

Zwangloser Genuss

Beim Public Viewing dagegen, das Katharina Wagner auf dem Bayreuther Festplatz mit starker Siemens-Finanzhilfe gegen das Gemaule gläubiger Altwagnerianer durchgesetzt und organisiert hatte, kam sie besser weg. Eine lockere, kommunikative Gratis-Veranstaltung begeisterte bei heißem Sommerwetter zwischen 17 000 und 38 000 Menschen. Die Spannweite zeigt, dass viele nur mal vorbeischauten. Eine Zwanglosigkeit, die bei der engen "Batteriehaltung" der Zuschauer auf dem Hügel eine Traumvision ist. Die technisch ausgefeilte Aufzeichnung und Übertragung hatte die Vorstellung offenbar besser aussehen lassen.

Bei Christoph Marthalers "Tristan und Isolde" hätte auch das nicht geholfen. Die Inszenierung in Anna Viebrocks DDR-kühler Ausstattung bleibt auch beim dritten Aufguss, der Marthaler wieder nicht nach Bayreuth lockte, trist - auch wegen der unzureichenden Sängerbesetzung.

Ein Mangel wird quälend deutlich: Selbst Bayreuth schafft es nicht, dass die Sänger verständlich deutsch singen. Obertitel auch für deutsche Opern sind dringend zu empfehlen.