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Ruhrfestspiele

Pudel und Polka im „Auftrag“ von Heiner Müller

MARL. Heiner Müllers "Der Auftrag" erzählt vom Ende einer Utopie. Die Revolution ist abgesagt, die Welt bleibt geteilt in Herren und Sklaven. Bei den Ruhrfestspielen war Tom Kühnels und Jürgen Kuttners Adaption vom Schauspiel Hannover zu sehen, optisch und szenisch eine virtuose Collage allegorischer Bilder.

Pudel und Polka im „Auftrag“ von Heiner Müller

Zumindest die Kostüme sind erlesen: Corinna Harfouch (l.) und Sarah Franke im „Auftrag“ der Ruhrfestspiele.

Die Revolution ist abgesagt, aus der Traum. Die Welt bleibt geteilt in Herren und Sklaven. Die Mission dreier Franzosen, die in Jamaika den Krieg gegen englische Unterdrücker anzetteln sollen, wird widerrufen, weil Napoleon die Republik zum Kaiserreich macht. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit werden nicht in die Karibik exportiert.

Dies ist das (Anna Seghers entlehnte) Grundgerüst, auf dem Heiner Müllers "Der Auftrag" vom Ende der Utopie erzählt. "Erinnerung an eine Revolution" heißt der Untertitel. Bei den Ruhrfestspielen ist Tom Kühnels und Jürgen Kuttners Adaption vom Schauspiel Hannover zu sehen, optisch und szenisch eine virtuose Collage allegorischer Bilder.

Elektropop und Pastorale

Vier Musiker ("Die Tentakel von Delphi") produzieren vor der Bühne den Klang dazu. Marschtakt und Mazurka, Elektropop und Pastorale. Polkamusik begleitet den Kasatschok des Matrosen, der mit roter Fahne Revolutionsfolklore tanzt. Figuren in den Farben der Trikolore treten an, weiße Pudel, Corinna Harfouch als Harlekin, blau bemalte Trommler wie von der Blue Man Group.

Zirkus-Magie und Talmi-Glitter gibt es auch. Einen Boxkampf zwischen Danton und Robbespierre sehen wir als handgemachten Trickfilm mit Pappmasken, live von einer Kamera eingefangen und auf Gaze projiziert. Vom Band erklingt "Eye Of The Tiger" aus "Rocky 3". In einem Wohnzimmer hocken die Ikonen Che Guevara, Stalin, Mao, Rosa Luxemburg, die vom Harlekin erwürgt werden.

Sinnfrage kommt unter die Räder

Kuttner und Kühnel übermalen Heiner Müller mit grellbunter Palette. Dem gegenüber steht ein "grauer", schroffer, spröder Text, wohl von Müller gelesen, von den Akteuren mitgemurmelt. Im Brabbeln versendet sich die Aussage, Erkenntnis und Sinnfrage kommen unter die Räder der Müllerschen Textmaschine. Schöne Bilder, doch inhaltlich bleibt nur ein diffuses Lamento hängen.

 

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