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Recht statt Rache

DÜSSELDORF Was wiegt schwerer - Gatten- oder Muttermord? Über diese Frage wird der moderne Rechtsstaat errichtet, das Blutrecht abgeschafft. Doch bis es soweit ist, folgt in Aischylos Triologie "Die Orestie" Mord auf Mord, Schuld auf Schuld, Rache auf Rache. Lars-Ole Walburg hat die Tragödie bildermächtig für das Düsseldorfer Schauspielhaus eingerichtet.

von Von Britta Helmbold

, 18.12.2007
Recht statt Rache

Christiane Rossbach als Klytaimnestra begrüßt ihren Gatten Agamemnon (Götz Schulte).

Nachdem die Erzählerstimme aus dem Off verstummt ist, bestimmt der Chor der alten Männer in Badewannen das Bild (Bühne: Robert Schweer). Dann betritt die wunderbare Christiane Rossbach als Klytaimnestra die Szene, verkündet den Sieg über Troja und damit die Heimkehr ihres Mannes Agamemnon. Und sie bereitet ihm einen wahrlich großartigen Empfang. Eine riesige rote Fahne weht über die Bühne. Götz Schulte als ihr Gatte gibt einen zurückhaltenden Sieger ab, und Rossbach wandelt sich von der zärtlich-heiteren Gattin gemeinsam mit ihrem Geliebten Aigisth zur brutalen Mörderin ihres Mannes.

Die Spirale dreht sich weiter

Die Spirale von Gewalt und Rache dreht sich weiter. Der Chor zieht sich zur Beratung zurück. Die Männer wandeln mit Tafeln umher, auf denen sich per Projektion ihr Gespräch ablesen lässt (Video: Stefan Bischoff). Eine Diktatur wird errichtet und Hans-Jochen Wagner im Agenten-Outfit mit Krone (Kostüme: Kathrin Krumbach) erläutert als Aigisth souverän die Sicherheitsmaßnahmen, die an die heutigen Diskussionen zur Terrorabwehr erinnern. Zahlreiche Überwachungskameras werden per Video "installiert", die der Chor nach den nächsten Morden von Orest zerstört.

Nun sind es die Erinnyen (besonders eindrucksvoll Nadine Geyersbach, die auch die Kassandra spielt), die Orests Tod fordern. Markus Scheumann spielt ihn als besonnenen Zweifler, der sich dem Tribunal stellt. Doch Göttin Athene (Silvia Fenz) will nicht entscheiden und setzt zwölf Geschworene ein. An die Stelle der göttlichen Verfügung soll die menschliche Urteilsfähigkeit treten.

Ein Tribunal wie eine TV-Show

Doch letztlich gilt: Im Zweifel für den Angeklagten. Orest ist frei. Unter allseitiger Umarmung und Gewinke versinkt das Tribunal tv-showmäßig im Bühnenboden. Im letzten Bild irrt ein einsamer Orest über die Bühne, bevor der Premierenjubel ausbricht.

Karten: Tel. (0211)36 99 11.

 

 

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