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Riesen-Tonne braucht Rostschutz für 14,5 Millionen Euro

Gasometer Oberhausen

Rote Flecken auf der Fassade und ab und zu ein Loch: Der von allen Ruhris heiß geliebte Gasometer Oberhausen ist leider eine Rostlaube. Es wird Zeit für eine Sanierung.

Oberhausen

von Bettina Jäger

, 09.07.2018
Riesen-Tonne braucht Rostschutz für 14,5 Millionen Euro

„Der Berg ruft“ die Besucher in den Gasometer Oberhausen. Leider ruft im Jahr 2020 auch der Rost – und zwar die Handwerker. © Thomas Machoczek

„Plopp“ macht es ziemlich laut. Und wieder „Plopp“. Jedes Mal macht die Dachhaut des Gasometers dieses unheimliche Geräusch, wenn sich die Politiker auf die dünne Decke wagen, um sich die schlimmsten Roststellen anzusehen. Ganz schön mutig von Staatsministerin Michelle Müntefering, dem SPD-Bundestagsabgeordneten Dirk Vöpel und dem Oberhausener Bürgermeister Daniel Schranz. „Der Gasometer ist für uns ein Stück Heimat“, sagen sie unisono in die TV-Kamera. Aber alle drei wollen doch bei einer Begehung am Montag wissen, was für eine Sanierung der Haushaltsauschuss des Bundestages gerade mit 7,25 Millionen Euro bewilligt hat.

Riesen-Tonne braucht Rostschutz für 14,5 Millionen Euro

So tiefe Löcher gibt es in der Dachlaterne des Gasometers. © Bettina Jäger

Und Jeanette Schmitz, die sich als Geschäftsführerin der Gasometer GmbH deutlich leichtfüßiger über das Dach bewegt und hier jede Schraube kennt, zeigt es ihnen. Als erstes verschwindet ihr Zeigefinger bis zum Anschlag in einem Loch in der Dachlaterne. Das ist die runde grüne Kuppel ganz oben. Hier hat sich der Rost schon komplett hindurchgefressen. Ein Blick von oben nach unten entlang der lamellenartigen Bänder, aus denen die Tonne besteht, offenbart überall auf der Wetterseite Rostflecken.

Die einst fünf Millimeter starken Wände sind jetzt nur noch 2,5 Millimeter dick. Der alte grüne Aufzug (auf dem großen Foto rechts) verrottet an den Kanten. Die dunklen Entlüftungsrohre, die bis zu den vergitterten Aussichtsplattformen reichen, mussten schon mit Manschetten gesichert werden. Auf zwei der so genannten „Pfeifenköpfe“ werfen die Besucher seit Jahren Kleingeld. „Hier sammeln wir für die Restaurierung“, scherzt Jeanette Schmitz.

Fast drei Millionen fehlen

Tatsächlich muss sie weiter mit dem Hut herumgehen, denn die Sanierung soll 2020 anfangen. 4,4 Millionen Euro erhält der Gasometer aus dem kürzlich neu verhandelten Vertrag mit dem Regionalverband Ruhr (RVR) zur Industriekultur. Fehlen also knapp drei Millionen Euro, die sie vom Land NRW zu bekommen hofft. „Wir sind optimistisch“, sagt Schmitz. Bis dahin muss kein Besucher Angst haben, dass ihm die Decke auf den Kopf fällt. „Der Gasometer ist stabil und sicher“, sagt Schmitz. Allerdings wird er 2020 für etwa ein Jahr schließen müssen und komplett eingehaust. Ob die äußerst erfolgreiche Ausstellung „Der Berg ruft“ mit bislang 220.000 Gästen bis zum Beginn der Sanierung verlängert wird, will Schmitz noch nicht sagen.

Riesen-Tonne braucht Rostschutz für 14,5 Millionen Euro

Bedenkliche Gesichter: Daniel Schranz, Jeanette Schmitz, Michelle Müntefering

2020 jedenfalls wird die Fassade sandgestrahlt und die Bleischicht abgetragen, die heute noch zwischen dem Stahl und der Farbe liegt. „Das Blei wird extra entsorgt“, erklärt Schmitz. Dann erfolgt der Rostschutz mit einer Grundbeschichtung und zwei Anstrichen – in derselben Farbe wie heute.

Dafür wird schon der Denkmalschutz sorgen, denn die Riesentonne sei ein „national wertvolles Denkmal“, erklärt Schmitz. Außerdem bekommt der Gasometer neue Fenster, die Decke von innen wird erneuert und auch Arbeiten am Fundament sind geplant.

Noch 2001 wassergestrahlt

Warum aber haben die letzten Rostschutzarbeiten 2001 und 2002 nicht länger gehalten? „Damals haben wir wassergestrahlt, das war die Empfehlung der Experten“, seufzt Schmitz. Heute dagegen weiß man, dass die Bleischicht schon damals hätte entfernt werden müssen.

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