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Rimini Protokoll verknüpft Mythos mit Gegenwart

ESSEN. "Prometheus in Athen" vom Theaterkollektiv Rimini Protokoll war in einer Videofassung als "Lecture Performance" der Athener Premiere auf dem Weltkulturerbe Zollverein angekündigt (wir berichteten). Es wurde weit mehr, nämlich ein theatralisch zündender Extrakt.

von Von Bernd Aulich

, 01.08.2010
Rimini Protokoll verknüpft Mythos mit Gegenwart

Szene aus der Athener-Aufführung von Rimini Protokoll.

"Wir sind Athen" verkünden 100 Athener plus drei illegal in der griechischen Metropole lebende Flüchtlinge in der Video-Aufzeichnung. Die Regisseure Helgard Haug und Daniel Wetzel haben sie repräsentativ als Spiegel der Alters- und Sozialstruktur Athens ausgewählt. Eine kaum abreißende Fülle gesellschaftlicher, geistiger und religiöser Gewissensfragen, zu denen die 103 Athener in bewegter Choreografie das Halbrund wechseln oder verharren, spiegelt in verschlungener Manier die Handlung der Tragödie. So schließt Rimini Protokoll den Mythos erhellend mit der Gegenwart kurz.

Wie in Screenshots treten fünf Athener aus dem stoppenden Video auf die Zollverein-Bühne. Der EU-Projektmanager Pavlos Laoutaris fühlt sich wie Zeus' Erfüllungsgehilfe Hephaistos, weil er oft "gezwungen war, Entscheidungen gegen mein Gewissen zu treffen". Die Kommunikationsspezialistin Jonida Kapetani dagegen hält es wie viele Athener mit dem pragmatisch vermittelnden Okeanos. Der Ingenieur Georgios Emmanoulidis bekennt sich zu Bia, der stillen Rolle der Gewalt. Doch die 16-jährige Kommunistin Maria Sampanidou und der Regieassistent Prodromos Tsinikoris sehen in dem Rebellen Prometheus ihr Vorbild.  

Tragische Fallhöhe gewinnt der gebührend gefeierte "Theaterabend über einen Theaterabend" mit dem Auftritt einer Freundin der bulgarischen Migrantin und Gewerkschaftsaktivistin Konstantina Kuneva. Ihre antike Maske zeichnet die lebensgefährlichen Verätzungen durch ein Säureattentat nach, das sie nach dem Protest gegen Abrechnungsbetrug und Menschen verachtende Arbeitsbedingungen zum Schweigen bringen sollte.