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Ruhrfestspiele

Roberto Ciulli inszeniert Koltès‘ Verdammte

RECKLINGHAUSEN Hinten die Mauer, rechts ein verkümmerter Baum, überall Sand. In dem liegt scheinbar eine Leiche, Gesicht nach unten, was keinen kümmert. Nach 40 Minuten erhebt sie sich. Es ist der Hausdiener Aziz, den man nicht weiter beachtet. "Nur" ein Araber.

Roberto Ciulli inszeniert  Koltès‘ Verdammte

Adrien ( Steffen Reuber, M.) trift sich mit den Bombenlegern (Rupert J. Seidl, l., Klaus Herzog).

In diesem Bild steckt schon ein Thema von Bernard-Marie Koltès' "Rückkehr in die Wüste", das in Roberto Ciullis Inszenierung vom Theater an der Ruhr bei den Ruhrfestspielen zu sehen ist. Es geht um Rassismus, Kolonialismus, um den Algerienkrieg, um die Kleingeistigkeit in der französischen Provinz, die bei Koltès die wahre menschliche Wüste ist. Darum der Sand im Bühnenbild von Gralf-Edzard Habben.

Familienfehde

Der traurige Garten befindet sich irgendwo in Frankreich. Er wird Schauplatz einer Familienfehde, einer Zerfleischung, die die Zerrissenheit des Landes spiegelt. Koltès überhöht den Kampf zwischen Bruder und Schwester ins Mythische und Groteske, fast wie in antiken Tragödien, und Ciulli wahrt den Touch zum Fratzenhaften souverän.

Die Hassliebe zwischen Mathilde (Petra von der Beek) und ihrem Bruder Adrien (sehr gut: Steffen Reuber) hat etwas Inzestuöses, wenn Adrien Mathilde gierig beschnuppert und beknabbert. In Reubers Spiel und seiner Körperlichkeit liegt böse animalische Energie.

Dieser Patriarch ist ein Aas, das den Sohn (Albert Bork) demütigt und unmündig hält, das mit anderen Verschwörern ein Attentat auf ein arabisches Café ausheckt. Koltès meint die Bombenleger von der Untergrundarmee OAS, die gegen de Gaulle zündelten.

Politik, Weltanschauung und das Psychogramm einer Familie verschmelzen hier. Mathilde kam aus Algerien, um sich an denen zu rächen, die sie als Nazi-Flittchen denunzierten. Mit Tochter und Sohn quartiert sie sich im Haus der Eltern ein, wo Adrien das Regiment führt.

Beschädigte Figuren

Die Figuren sind beschädigt und verdammt, so beißwütig sie sich auch geben. Die Sprache roh, die Affekte grob, die Darsteller vital: All das beschert Ciullis Stück eine Kraft, die Wut und Feuer (und Witz!) von Bernard-Marie Koltès kongenial transportiert. Viel Beifall für Schauspieler und Regisseur.

Termine: 7.6., 18 Uhr,  8.6., 20 Uhr; Karten: Tel. (02361) 9 21 80.

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