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Rohöl-Bilder für die BP-Übernahme - Ein Künstler gegen die Mächtigen

BP-Kritiker Ruppe Koselleck

MÜNSTER. Ruppe Koselleck ist gelandet. In Dallas, Texas, beginnt seine Suche nach dem Öl. Der Münsteraner will aus den Spuren der Bohrloch-Katastrophe im Golf von Mexiko seine bisher größte "Rohölmalerei" schaffen. Der BP-Kritiker hat ein langfristiges Ziel: Er will die Aktienmehrheit des Konzerns übernehmen.

von Von Felix Guth

, 06.08.2010
Rohöl-Bilder für die BP-Übernahme - Ein Künstler gegen die Mächtigen

Eines der Werke aus gefundenen Ölklumpen, in diesem Fall von einem Strand auf Korsika.

Die "Feindliche Übernahme" begann schon im Jahr 2001. 1075 Wertpapiere sind heute in seinem Besitz, alle finanziert durch den Verkauf von Öl-Impressionen. Die Zeiten sind günstig: Durch die "Deepwater Horizon"-Katastrophe sind die Preise für Anteile an der britischen Firma im Keller. Und damit auch die Preise für seine Bilder. "Sie kaufen Kunst - und ich BP" lautet die Losung. Hat der Milliarden-Konzern bald einen neuen Chef aus Münster?

Sicher nicht. "Ich habe ja nicht den Verstand verloren", sagt Ruppe Koselleck. Es gehe ihm um die "vergnügliche Vergeblichkeit" seines Unterfangens, ein bisschen Romantik im Kampf des Einzelnen gegen die Mächtigen. Aber auch um ernste Wirtschaftskritik, für die BP nur sinnbildlich steht. "Erdölkonzerne bestimmen massiv den politischen Willen in ihren Ländern. Sie haben eine Form von Staatlichkeit, die systembedrohend sein kann", meint der Künstler. Koselleck reagiert mit Bildern aus Öl. Echtem Öl, gefunden an den Stränden der Welt. St. Peter Ording, Holland, Belfast oder Korfu - überall hinterlässt die Erdölproduktion Spuren. Er verarbeitet die Klumpen und malt damit. Weit über 1000 Bilder sind so entstanden, die dunklen Striche wirken in ganz unterschiedlichen Kontexten. Das Golf-Desaster ist eine Extremsituation. Und deshalb künstlerisch so reizvoll. Florida ist das erste Ziel. Aber ob man ihn zum verschmutzten Strand lässt? Im Reisegepäck hat der 43-Jährige jedenfalls eine Riesen-Leinwand. Sein Traum: Mit einem Fischer aufs Meer hinaus fahren, die Leinwand hinein tauchen und dann die Schwärze wirken lassen. "Aber das ist nicht planbar." Ein Kameramann begleitet den Münsteraner.

Finanziert wird die Reise durch einen Sammler, der sich dafür die erste der "deephorizontal impressions" ausGolf-Öl reservierte. Die renommierte Saatchi-Gallerie aus London unterstützt seine Arbeit, im Oktober wird Koselleck zudem auf der "Art Miami" zu Gast sein. Die großen Themen haben bei ihm Methode. Bei Ikea tauschte er die Musterfamilien-Bilder aus, dem New Yorker Bürgermeister schlug er vor, die Freiheitsstatue gegen das Herrmannsdenkmal zu tauschen. Koselleck will Rechercheur sein, auch Kritiker. "Aber ich werde kein Bewusstsein ändern und was ich mache, ist auch nicht real ökologisch." Dafür setzt seine Kunst eine Kommunikation in Gang. Dafür allein lohnt sich die lange Reise an den Ort der Katastrophe.