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Schauspielhaus Bochum

Roman "Ein Mann will nach oben" wird zur Berlin-Revue

BOCHUM Einen rund 700 Seiten starken Roman an einem Abend auf die Bühne zu bringen, ist ein gewagtes Unterfangen. Anselm Weber, Intendant des Schauspielhauses Bochum, hat die Herausforderung angenommen und mit "Ein Mann will nach oben" eine kurzweilige Hans-Fallada- und Berlin-Revue zur Uraufführung gebracht.

Roman "Ein Mann will nach oben"  wird zur Berlin-Revue

Alle wollen nach oben - aber wie? Szene aus der gelungenen Bochumer Fallada-Inszenierung.

Da steht er, der Mann, der nach oben will: Felix Rech spielt Karl Siebrecht und hat die große Bühne des Schauspielhauses in den ersten Sekunden ganz für sich. Staunend, mit naivem, aber entschlossenem Blick schaut er auf die neue Welt, die sich ihm eröffnet: Ein Chor aus Darstellern und Statisten füllt die schwarze Leere, historische Videobilder deuten die Bahngleise seiner Zugfahrt an und das energievolle Treiben der großen Stadt, in die es den jungen Karl 1909 zieht.Wechselnde Perspektiven

Anke Zillich, die an diesem Abend wie die meisten Schauspieler in mehrere Rollen schlüpft, beginnt im Wechsel mit Karl selbst, von seinen Erlebnissen zu berichten. So entsteht eine vielstimmige Erzählung, in der immer wieder die Perspektiven wechseln. Die Figuren können in einer Sekunde tief in ihrer Rolle stecken und sie in der nächsten aus der Position des allwissenden Erzählers reflektieren.

Mit einem Wechsel aus kammerspielartigen Sequenzen, choreografierten Massenszenen, mit Nachtklub- und Cabaret-Atmosphäre durch ansprechende Tanz- und Gesangsnummern mit 20er-Jahre-Liedern versucht Anselm Weber, den Text zum Schweben zu bringen. Mit Chefdramaturgin Sabine Reich hat er selbst eine Fassung erarbeitet, die die Handlung naturgemäß strafft und Akzente setzt.

Für die Inszenierung verhängnisvoll wird jedoch, dass sie in gut drei Stunden kaum eine Station im Berliner Leben des Karl Siebrecht auslassen mag. So fällt die Spannungskurve immer wieder ab, wenn auf Enttäuschungen wieder neue Anläufe folgen. Eine engere Handlungsführung und dramatische Zuspitzung hätten dem Abend gut getan.

In guter Erinnerung werden dem am Ende wohlwollend applaudieren Publikum trotzdem mindestens Sarah Grunerts authentische und zu Herzen gehende Darstellung der Berliner Göre Rieke Busch bleiben. Und das Gefühl einer existenziellen Leere und Einsamkeit, gegen die Karl nach der Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg kaum mehr ankämpfen kann.

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