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Rudolf Buchbinder und ein phonstarkes Schlachtgemälde

Konzerthaus Dortmund

Was für ein großartiger Pianist. Für Beethoven gibt es keinen Besseren als Rudolf Buchbinder. Keiner kennt die Werke besser als der 67-jährige Wiener, keiner spielt sie originalgetreuer – so, wie Beethoven es in seinen Handschriften notiert hat. Und keiner fesselt mehr mit seinem Spiel als dieser Pianist, den man ganz zu Recht auch "Mr. Beethoven" nennt.

DORTMUND

, 17.11.2014
Rudolf Buchbinder und ein phonstarkes Schlachtgemälde

Rudolf Buchbinder imponierte in Dortmund.

Am Sonntagnachmittag (16. November) war Buchbinder im Konzerthaus Dortmund Solist im fünften Klavierkonzert, dem „Emperor“-Konzert. Und er hatte ein Orchester hinter sich sitzen, das ihn mit einem wahrhaft heroischen Klang den sinfonischen Charakter dieses Werks betonte.

Mit den Wiener Philharmonikern hat Buchbinder die Konzerte gerade ohne Dirigenten auf CD eingespielt. Das hätte er in Dortmund auch tun können. Im Tempo lancierte er den großen Klangkörper ganz vorzüglich; wenn Dirigent Jukka-Pekka Saraste ihn noch mehr gelassen hätte, hätte er das vor allem am Schluss im dynamischen Bereich auch noch mehr getan. Jeder Lauf wirkt bei Buchbinder durchdacht, jede Phrase ist sorgsamst ausgeformt, und die Tempi nimmt er mit seiner technischen Leichtigkeit so, wie Beethoven sie notiert hat: zum Teil rasant schnell und ohne über widersprüchliche Metronomangaben der Beethoven-Zeit zu diskutieren. Und wenn er dann die Zuhörer in seinen Zauberklängen des langsamen Satzes dazu zwingt, die Ohren zu spitzen, dann ist das pure Magie. Das Rotterdamer Orchester ist, was energiegeladenes Spiel angeht, von seinen früheren Chefdirigenten Gergiev und Nezét-Séguin geschärft. Jukka-Pekka Saraste, Chef des WDR-Sinfonieorchesters, ist ein kühlerer Dirigent, der sich nicht mit vollem Elan in Schostakowitsch‘ achte Sinfonie hineinwarf – so, wie zum Beispiel Andris Nelson 2011 im Konzerthaus Dortmund. Trotzdem klang dieses phonstarke Schlachtgemälde aus dem Zweiten Weltkrieg monumental. Stagnation machten die Rotterdamer im ersten Satz hörbar, keck bliesen die Holzbläser die Marsch-Satire im Allegretto, und im Largo ließen sie die Musik wie benommen durch den Saal mäandern. – Ein heroischer, imposantzer Nachmittag.

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