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Kultur in NRW

Ruhr Tourismus sagt Chorfest "Day of Song" ab

ESSEN/BOCHUM In einem Wort zusammengefasst: Langweilig. Mit dieser Begründung hat die Ruhr Tourismus GmbH den "Day of Song" 2016 abgesagt. Obwohl im vergangenen Jahr noch Hunderttausende Menschen auf Straßen und Plätzen gemeinsam sangen, fehle dem Projekt die "touristische Strahlkraft", sagt Ruhr Tourismus. Organisatoren und Chöre sind entsetzt.

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Viel Spaß hatten die Akteure bei der Day of Song in einer Kita in Lünen

Eindrücke vom Day Of Song 2014 in Schwerte.

Der Day of Song 2014 in Castrop-Rauxel.

Männer des Männergesangvereins Frohsinn Duisburg-Wedau 1945 singen beim Day of Song.

Dreimal hat das Revier gemeinsam gesungen. 2010 im Jahr der Kulturhauptstadt gab es den ersten "Day of Song", 2012 eine Wiederholung mit noch mehr Teilnehmern und erst im vergangenen Jahr wurde im Ruhrgebiet in 61 Städten gemeinsam das "Steigerlied" der Bergleute angestimmt. Zeitgleich um punkt 12.10 Uhr. Für Hunderttausende Sänger ein einmaliges Erlebnis. Das folgende Video wurde in Bochum auf dem Rathausplatz gedreht, als alle zusammen das Lied der Kohle-Kumpels anstimmten. 

2016 sollte es eine Neuauflage des "Day of Song" geben. Doch nun hat die Ruhr Tourismus GmbH überraschend das Aus des Gesangsevents verkündet. In einer knappen E-Mail schreibt Ruhr-Tourismus-Chef Axel Biermann, "leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass die für die Nachhaltigkeitsmittel der Kulturhauptstadt verantwortlichen Partner (...) entschieden haben, dass der „!SING – DAY OF SONG“ in den kommenden Jahren nicht stattfinden wird." Begründet wird dies mit der "fehlenden touristischen Strahlkraft und der damit erhofften Imagebildung über die Grenzen des Ruhrgebiets hinaus". Zudem sei die Zahl der Teilnehmer rückläufig gewesen: von 50.000 im Jahr 2012 auf circa 32.000 im Jahr 2014. Man bedanke sich für das "große Engagement" und die "konstruktive Zusammenarbeit". Es folgt noch ein "Freundliche Grüße" - und das war es für den "Day of Song". 

Enttäuschung, Verärgerung, Irritation

Durch die NRW-Kulturlandschaft geht ein Aufschrei. Enttäuschung, Verärgerung, Irritation. Benedikte Baumann, die den "Day of Song" von der ersten Idee im Kulturhauptstadtjahr mit begleitet und mit ihrer Agentur 3part auch die Fortsetzungen organisiert hat, erklärte gegenüber dieser Zeitung: "Ich bedaure die Entscheidung der Partner zutiefst und hoffe, dass es nicht das endgültige Aus ist". Dann erzählt Sie von den vielen Sängern und Chorleitern, mit denen Sie zu tun hatte, von den für sie unvergesslichen Momenten, als Tausende Menschen gemeinsam sangen. "Das trifft mich sehr hart", fügt sie hinzu.

Baumann will die Zahlen der Ruhr Tourismus nicht unkommentiert lassen: Zur Wahrheit gehöre auch, dass es im ersten Jahr lediglich 25.000 angemeldete Teilnehmer gab, dass diese Zahl 2012 verdoppelt wurde und der Rückgang der offiziellen Teilnehmer 2014 vor allem auf die Terminverschiebung zurückzuführen ist. 

Todesstoß: Terminverschiebung in den September

Das bestätigt auch Werner Schepp, Professor für Chorleitung an der Folkwang-Universität in Essen. In einem Brandbrief an Tourismus-Chef Biermann schreibt er mit Blick auf die Terminverlegung 2014: "Für alle Zielgruppen, also Bildungsinstitutionen wie auch Verbände und Chöre, ist ein Zeitpunkt nach den Sommerferien denkbar ungünstig." Die Schulchöre hätten so gar keine Chance das Liedrepertoire für den "Day of Song" einzustudieren. Ursprünglich sollte der "Day of Song" immer Ende Juni - vor den Ferien - stattfinden. Als der Herbsttermin verkündet wurde, "haben alle auf die Risiken - ja auch auf die dadurch entstehende Gefährdung des Projekts hingewiesen", so Schepp.

Day of Song auf Schalke

Die Kulisse in der Veltins-Arena war imposant. 65 000 Menschen sangen dort gemeinsam im bislang größten mehrstimmigen Chor der Welt.
Der Mädchenchor Scala aus Belgien gehörte zu den Stargästen.
Bobby McFerrin hatte Spaß und staunte nachher: "Ihr habt's echt durchgezogen".
An den Oberteilen waren die verschiedenen Chöre zu unterscheiden.
Alle sangen mit auf den Tribünen der Veltins-Arena.
Die Bochumer Symphoniker haben das Konzert in Gelsenkirchen begleitet. - Begeisternd.
Die a cappela Gruppe "Wise Guys" sorgten für Stimmung beim Abschlusskonzert.
Auch der  Chor des Musiktheaters im Revier Gelsenkirchen war beim Day of Song dabei.
Steven Sloane, künstlerische Direktor der RUHR.2010, hatte mit einem Gong das Startzeichen zum "Day of song".
La ola zum Aufwärmen: Die Stimmung war bestens in der Arena.
Ein Mädchenchor singt am Samstag (05.06.2010) in Gelsenkirchen beim Abschlusskonzert des Gesangsprojekt "Sing - Day of Song" in der Gelsenkirchener Veltins Arena. Zehntausende Sänger und mehrere hundert Chöre hatten bereits am Mittag mitten in ihrem Alltag - auf dem Markt oder beim Tanken, im Krankenhaus oder im Zug gesungen. Foto: Bernd Thissen dpa/lnw  +++(c) dpa - Bildfunk+++
Vollen Einsatz haben alle Chöre in der Arena gezeigt.
Der Gebärdenchor sang den Gefangenenchor aus "Nabucco" in der Arena.
Der Geschäftsführer von Ruhr.2010, Fritz Pleitgen (M.) und seine Frau Gerda, haben zwischen der  SPD-Parteivorsitzenden in NRW, Hannelore Kraft, und NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers.  Ruhr.2010-Geschäftsführer Oliver Scheytt saß neben Marie-Luise Marjan
Meike Jotzko (2. v.r.), Reporterin unserer Zeitung, war mit dabei und hat in einem Chor aus Lünen mitgesungen.
Über 60.000 Zuschauer und Chormitglieder füllten am Samstag beim Abschlußkonzert des Gesangsprojekt "Sing - Day of Song" die Gelsenkirchener Veltins Arena.
Die deutsche A-Cappela Gruppe "Wise Guys" wurde als Stimmungsmacher umjubelt wie...
...Stargast Bobby McFerrin.
Begleitet wurden die Sänger von den Bochumer Symphonikern, die auf Höhe des Anstoßkreises des umgebauten Fußballstadions thronten. Geleitet wurden sie wie gewohnt...
...von Steven Sloane, Generalmusikdirektor der "BoSys", künstlerischer Direktor der RUHR.2010 und an diesem Abend auch Co-Moderator.
Zehntausende Sänger und mehrere hundert Chöre stimmten das Steigerlied an.
Der US-amerikanische Sänger Bobby McFerrin und Steven Sloane inmitten der 60.000 Sänger.
Die "Wise Guys" sorgten für ausgelassene Stimmung.
Die Mezzo-Sopranistin Vesselina Kasarova.
Zehntausende Sänger und mehrere hundert Chöre hatten bereits am Mittag mitten in ihrem Alltag - auf dem Markt oder beim Tanken, im Krankenhaus oder im Zug gesungen, bevor sie sich alle abends auf Schalke versammelten.

Unter den Sängerfreunden des Landes sind viele überzeugt: Der "Day of Song" sollte kaputtgemacht werden, weil er nicht für steigende Übernachtungszahlen in den Hotels sorgte. Erst die Terminverschiebung für den "Day of Song" 2014. Dann die umstrittene Neuauflage eines großen Sängertreffens in der Arena auf Schalke, die ebenfalls abgesagt werden musste. Eigentlich sollten dort im Juli dieses Jahres Zehntausende Chormitglieder zusammenkommen - so wie im Jahr der Kulturhauptstadt, als 65.000 Sänger auf Schalke den "Day of Song"-Abschluss feierten. Doch für die Neuauflage 2015 mussten die Karten für Schalke fast ein Jahr im Voraus gekauft werden. Viele Chöre schreckte das ab - sie bestellten erst gar keine Karten. Das Treffen wurde gestrichen. Und jetzt verkündete Ruhr-Tourismus auch das Aus für den "Day of Song" in den Revier-Städten. Angeblich sei dieser Beschluss schon im März gefallen, wurde aber erst jetzt zur Ferienzeit verkündet, um Proteste zu unterbinden, munkelt man. 

DORTMUND Punkt 12.10 Uhr haben beim dritten "Day of Song" am Samstag Zehntausende das Ruhrgebiet erklingen lassen: In 61 Städten wurde das Bergmannslied "Glück auf, der Steiger kommt" von Jung und Alt gesungen.mehr...

"Die Absage ist ein großer Schlag für die Kultur des Singens", sagt Christoph Mandera vom Bochumer Kulturbüro. "Die fehlende touristische Strahlkraft kann ich aus Bochumer Sicht nicht bestätigten. Wir hatten Chor- und Gästezulauf aus vielen anderen umliegenden Städten und Regionen."

Der Chor-Verband NRW kündigte umgehend an, ein "Aus" für den "Day of Song" verhindern zu wollen. Die Landtagsabgeordnete und Chor-Verbands-Präsidentin Regina van Dinther will nach der Sommerpause entsprechende Gespräche führen. Auch in einigen Städten wollen die Verantwortlichen die Hoffnung noch nicht ganz aufgaben. In Castrop-Rauxel überlegt man notfalls eine Veranstaltung in Eigenregie. Hauptsache es wird wieder gesungen. 

CASTROP-RAUXEL Es war das größte Chorfestival der Republik, doch der vierte "Day of Song" im Revier wurde abgesagt. Die Enttäuschung darüber ist in Castrop-Rauxel groß. Doch die Verantwortlichen wollen die Hoffnung noch nicht ganz aufgeben - es könnte eine lokale Fortsetzung geben.mehr...

 

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