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RuhrTriennale: Johan Simons inszeniert "Vergessene Straße"

BOCHUM „Wir müssen vorwärts“ sind die letzten Worte in „Vergessene Straße“. Doch da ist die Utopie von einem Leben, in der „aus Liebe gearbeitet wird statt für Geld“, schon gescheitert.

von Von Ronny von Wangenheim

, 24.08.2008
RuhrTriennale: Johan Simons inszeniert "Vergessene Straße"

Zwischen den beiden Zuschauerblöcken verläuft die "Vergessene Straße".

Es ist eine rührende Geschichte, die Louis Paul Boon in seinem Roman erzählt. Und es ist eine berührende Inszenierung, mit der Johan Simons die RuhrTriennale in der Jahrhunderthalle eröffnet. Dieses Symbol des Strukturwandels ist der richtige Ort für Boons Welt der Arbeiter, kleinen Händler und Bettler. Regisseur Johan Simons, inzwischen zum fünften Mal für die RuhrTriennale aktiv, hat auf der mehr als 40 Meter langen Bühne die „Vergessene Straße“ aufgebaut. Auf beiden Seiten sitzt ganz ungewohnt das Publikum, kann durch Fenster und Türen auf die Menschen schauen, die mit dem Bau der Nord-Süd-Trasse in einer Sackgasse gelandet sind, abgeschottet von dem Rest der Welt.

Simons unterstützt das Märchen- und Parabelhafte der Geschichte, in dem er die Schauspieler seines NTGentEnsembles in überdimensionale Masken steckt, die wiederum mit fast menschengroßen Puppen herumlaufen. Sie alle haben eine hervorragende Körpersprache. So gelingt es, dass nach einer Weile in der Vorstellung der Zuschauer Individuen entstehen, mit denen man lacht und leidet. Koelie zum Beispiel, der Idealist, der für jeden die Freiheit will, das zu tun, wozu er Lust hat. Sadeleer dagegen ist der Materialist, Fiesling der Egoist und Sünder. Gaston, unfähig Hermine seine Liebe zu gestehen, will die anderen zu besseren Menschen erziehen. Nur kurz schaffen sie sich eine Gesellschaft, in der es keine Gesetze gibt, in der jeder für den anderen sorgt. Nur kurz scheint Glück möglich zu sein. Zentrale Figur ist Koelis Tochter Roza, die (als einzige ohne Maske) auf die Geschichte der Straße zurück schaut. Und dem jungem Mädchen Roza auf der Bühne zusieht, wie sie den Reizen des Kapitalismus folgt. Erst im Rückblick erkennt sie den Wert dieser anderen Gesellschaft. Roza ist es, die dafür sorgt, dass die Welt die vergessenen Straße zurück erobert. „Wir müssen vorwärts“ sagt sie. Alle anderen liegen da schon am Boden.