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RuhrTriennale eröffnete mit Century of Song

BOCHUM Legendär sind die Century-of-Song-Konzerte zum Auftakt der RuhrTriennale. Dass in diesem Jahr ein kleiner Exitus aus der Bochumer Jahrhunderthalle stattfand, ist mehr auf einen dramaturgischen Fehler zurückzuführen als auf fehlende musikalische Qualität.

RuhrTriennale eröffnete mit Century of Song

Soulsängerin Betty LaVette beim Century-of-Song-Konzert in der Bochumer Jahrhunderthalle.

Der 80-jährige Blues- und Jazzmusiker Allison wird in den USA von Kollegen und Kritikern quasi gottähnlich verehrt. Auch Joe Henry, der diesjährige Kurator der Konzertreihe, trat am Freitag eher zu einer Huldigung des Musikers an, als ihn dem Konzept der Reihe unterzuordnen. "Ich habe ihn aus egoistischen Gründen eingeladen", gab er zu, "damit ich ihn treffe, mit ihm arbeiten kann."

Altmeister Allison

Das Set des Jazzers war jedoch weniger das Ergebnis einer gemeinsamen Arbeit, als vielmehr ein eigenständiges Triokonzert, das den puren Allison zeigte: Unbändig, schräg, versponnen und unendlich verspielt. In seiner Stimme lebte Chet Baker und in seinem Klavierspiel schienen jahrzehntelang verinnerlichte Blues-, Jazz-, Ragtime-, und Boogietradition wieder auf. Man begegnete Jimmy Davis "You are my sunshine", Duke Ellingtons "Do Nothing Till You Hear From Me" oder großen Eigenkompositionen wie "Everybody's Crying Mercy". Ein toller Augenblick - jedoch im falschen Moment.

Soulsängerin LaVette

Allison spielte nach der Pause, nach Häppchen, Bier und Wein, nach einem überbordenden Set der zu später Berühmtheit aufgestiegenen Soulsängerin Betty LaVette. 47 Jahre lang hatte diese unbemerkt von der Öffentlichkeit bemerkenswerte Musik gemacht und erst jetzt, 62-jährig, den Durchbruch mit dem von Joe Henry produzierten Album "I Got My Own Hell To Raise" geschafft.

Mit der eigens für Century of Song zusammengestellten Band spielte sie ein befreites Konzert, begeisterte mit einem Sound zwischen 70er-Jahre-Motown und aktuellem Soulpop und -rock, mit purer Präsenz und Energie. Schwierig, sich danach auf einen am Flügel sitzenden, in seinem eigenen Kosmos kreisenden Altmeister einzulassen. So waren die Reihen schon lichter geworden, als Betty LaVette am Ende erneut die Bühne betrat und zu Allisons Klavierspiel ein großartiges "Stop This World" interpretierte. Erst zum schönen Feuerwerk vor der Halle kamen sie wieder zusammen: Geflüchtete und Gebliebene.

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