Ausstellung „Kunst & Kohle“

„Schichtwechsel“ im Museum Ostwall

Die Dortmunder Ausstellung zu „Kunst und Kohle“ ist interaktiv und vielfältig. Naive Malerei der Bergleute, die Gründungsdirektorin Leonie Rygers gesammelt hat, steht zeitgenössischer Kunst gegenüber.

„Schichtwechsel“ im Museum Ostwall

Der Bergmann und sein Werk. Damit beginnt der Rundgang durch die „Kunst und Kohle“-Ausstellung „Schichtwechsel“ im Museum Ostwall in Dortmund. In dem ersten Raum können die Besucher auf einer Karte sehen, wo welche Zeche in Dortmund stand. Foto: Pinetzki

Die Arbeit unter Tage und der Alltag der Bergleute haben die Künstler immer fasziniert. Und viele Bergleute fanden im Malen Entspannung nach der harten Arbeit in den Zechen. Entstanden ist daraus die bergmännische Laienkunst, die in den 1950er- und 60er-Jahren im Ruhrgebiet eine Blütezeit erlebte. Leonie-Rygers, Gründungsdirektorin des Museum Ostwall Dortmund, war eine Sammlerin dieser Laienkunst und eine Pionierin darin, sie ins Museum zu bringen.

Naive Malerei der Bergleute

Das Museum Ostwall erinnert im Rahmen der „Kunst und Kohle“-Ausstellungen der Ruhrkunstmuseen daran und stellt unter dem Titel „Schichtwechsel“ die naive Malerei der Bergleute zeitgenössischer Kunst gegenüber.

Entstanden ist eine Ausstellung für die Bürger, bei der diese auch aus Kohlestückchen eine Kette fertigen und Bilder malen können (alles kostenlos). Es gibt Filme, Tondokumente, das „Schwarze Gold“, aufgewogen in einer Tonne vergoldeter Bronzebarren, und viele Erinnerungsfotos von Menschen der Region an den Bergbau.

Eindrucksvolle Fotomontage von Andreas Gursky

Naive Malerei nimmt den Großteil der mehr als 100 Kunstwerke ein. „Maler des einfältigen Herzens“ nennt Leonie Rygers die Hobbykünstler im Plakat ihrer ersten Ausstellung mit Naiver Malerei 1952 in Dortmund. Industrielandschaften, Tauben, Feste, aber auch die Ängste der Menschen unter Tage vor Dunkelheit oder Berggeistern haben die Laienkünstler farbenfroh auf die Leinwände gebracht.

Gegenpol in der Schau sind zeitgenössische Arbeiten, etwa die eindrucksvolle, digitale Fotomontage einer Waschkaue im Bergwerk Hamm von Andreas Gursky. Korrespondierend dazu hat das Museum an die Wand über Eck eine Installation mit verschmierten Lappen der Bergleute von Marcus Kiel gehängt. Wenn man nah herangeht, riecht man die Kohle.

Besucher dürfen immer wieder selbst aktiv werden

Viele schöne Details hat die Ausstellung in der sechsten Etage. Mit Erich Reusch‘ elektrostatischen Objekten dürfen die Besucher spielen und Kohlestaub zum Fliegen bringen. Alicja Kwade setzt Porzellan-Frauen als „Trinkende“ an einen Berg aus Kohle, Nora Schattauer zeichnet auf Kohlepapier, und Stephanie Brysch versammelt in einer Wandcollage Comichelden unter Tage. Auch Schlümpfe.

Immer wieder ist diese Ausstellung interaktiv. Am Schluss des Rundgangs hat Performancekünstler Rirkrit Tiravanija eine Tischtennis-Platte aufgestellt: Die Besucher sollen spielen – und dabei kreative Ideen haben.