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Schindowski geht, weil er seine Compagnie retten will

Musiktheater im Revier

GELSENKIRCHEN. Neben John Neumeier in Hamburg ist Bernd Schindowski der dienstälteste Ballettchef Deutschlands. Weit über 100 Tanzschöpfungen hat er seit 1978 am Musiktheater im Revier (MiR) herausgebracht. Im Juli 2011 verlässt er das Gelsenkirchener Haus vorzeitig – zwei Jahre früher als geplant.

von Von Bernd Aulich

, 25.08.2010
Schindowski geht, weil er seine Compagnie retten will

Ballettchef Bernd Schindowski geht 2011 in den Ruhestand.

Seine überraschende Entscheidung hat Schindowski, der im September 63 wird, schon zu Jahresbeginn ins Auge gefasst. Den Anstoß gab Gelsenkirchens Oberbürgermeisters Frank Baranowski mit dem von der SPD-Mehrheitsfraktion begrüßten Vorschlag, den städtischen Zuschuss zum eng gestrickten MiR-Etat ab 2013 um eine Million auf zwölf Millionen Euro zu kürzen.

Dieser „Supergau“, wie Intendant Michael Schulz den Einschnitt unumwunden bezeichnet, wäre mit der Verabschiedung des Gelsenkirchener Ballettchefs in den Ruhestand zusammengefallen. „Ich habe überlegt, wie die Compagnie gesichert werden kann“, sagt Schindowski. Seine vorzeitige Kündigung am letzten Vorstellungstag der vergangenen Saison bewirkt, dass seine Nachfolge noch vor 2013 geregelt wird.

Eine Auflösung des Balletts zur Lösung der Finanzprobleme steht für MiR-Intendant Michael Schulz nicht zur Debatte: „Eine Streichung der Tanzsparte ist mit mir nicht zu machen.“ Und die Gelsenkirchener Stadtspitze stellte eilends klar, dass sie „nie Druck“ ausgeübt habe, um die Ballettsparte preiszugeben. „Es scheint so, dass sich die Frage nicht stellt. Aber darauf kann man sich nicht verlassen“, kommentiert Schindowski die Beteuerung der Stadtspitze. Dass seine Nachfolge nicht schon 2011 nahtlos geregelt wird, bedauert der Ballettchef. Für eine Interimslösung will Schulz Vorschläge von Schindowski und namhaften Tanzexperten einholen. Schulz schließt nicht aus, dass ein Interimskandidat 2012 neuer Ballettchef werden könnte – wenn es ihm gelingt, die Tanzsparte gegenüber den benachbarten Opernhäusern durch ein Alleinstellungsmerkmal zu profilieren.

Als Schindowski 1989 das Angebot erhielt, nach Graz zu wechseln, hielt ihn das Land durch eine Sonderförderung für seine Truppe von fortan 200 000 Euro. 1991 kam er an der Dresdner Semperoper nach einem Britten-Abend in die engste Wahl. Dass er in Gelsenkirchen geblieben ist, hat Schindowski nicht bereut: „Ich liebe die Mentalität des Gelsenkirchener Publikums. Es ist nicht verknöchert. Und es lässt sich überzeugen.“ Auf die freie Zeit freut er sich: „Dann kann ich öfter andere Theater besuchen. Das war viele Jahre lang nicht möglich.“