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Zu Alkohol destilliert

Schnapsidee mit der Fettecke von Joseph Beuys

DÜSSELDORF Drei Künstler haben in Düsseldorf aus den Resten der über 30 Jahre alten berühmten Fettecke von Joseph Beuys (Foto) im Museum Kunstpalast in Düsseldorf Schnaps gebrannt - und getrunken. Die Witwe des vor 28 Jahren gestorbenen Künstlers ist entsetzt.

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Der "Kunstgeist" aus der Fettecke wurde in Flaschen abgefüllt.

Sieht nicht gerade appetitlich aus: Aus den Resten der Fettecke von Beuys haben Künstler Schnaps gebrannt. <

"Der Geschmack erinnert ein bisschen an Parmesan", sagte der Bremer Kunsthochschulprofessor Markus Löffler, einer der drei Schnapsbrenner: "Man trägt ihn noch lange mit sich rum."

Eva Beuys verurteilte die Aktion im Museum Kunstpalast in Düsseldorf als "unglaubliche Unverschämtheit". "Das Urheberpersönlichkeitsrecht meines Mannes wurde in gemeiner Weise verletzt", sagte sie gestern der "Bild"-Zeitung. Vor Gericht ziehen wolle sie aber nicht. "Das sind dumme, unfein empfindende Menschen."

Freiheit der Kunst

Die Künstler Markus Löffler, Andree Korpys und Dieter Schmal hatten aus den über 30 Jahre alten Fettresten erst 80-prozentigen Alkohol gebrannt und ihn dann zu 50-prozentigem Schnaps verdünnt. Besucher der Aktion durften den Schnaps probieren.

"Das ist nicht irgendein Blödsinn, den wir uns ausgedacht haben", sagte Korpys gestern: "Das ist auch kein Spaß gegenüber Joseph Beuys." Vielmehr ordne sich die Aktion in das Werk der Künstler ein, die schon aus einer Schokoladenbüste von Dieter Roth und aus blauen Farbpigmenten von Yves Klein Schnaps hergestellt haben. Beuys sei ein "Verfechter der Freiheit der Kunst" gewesen. Von daher müsste Eva Beuys es locker nehmen.

Rekreieren statt zerstören Die drei Künstler finden, dass sie im Geiste des 1986 gestorbenen Ausnahmekünstlers Beuys gehandelt haben. Die Reste der Fettecke hatte Beuys-Schüler Johannes Stüttgen zur Verfügung gestellt, auf dessen Wunsch Beuys 1982 die Fettecke in seinem Professorenatelier in der Düsseldorfer Kunstakademie angebracht hatte. 1986, nach dem Tod von Beuys, hatte ein Hausmeister die Fettecke entfernt. Das Künstler-Trio hatte lange mit Stüttgen über die Aktion gesprochen und erklärt, dass sie Kunst "nicht einfach zerstören, sondern rekreieren wollen".

"Eine Farce" Über Stüttgen äußerte sich Eva Beuys besonders erbost: "Er wollte diese Fettecke unbedingt haben, hat sich von mir in einem Schriftstück bestätigen lassen, dass es ein Original und ein Kunstwerk ist." Stüttgen habe aus dem Werk "eine Farce gemacht, gegen die mein Mann sich nicht mehr wehren kann". Auch Beuys' Tochter Jessica äußerte sich gegenüber "Bild" verstimmt: "Gerade dieses Kunstwerk war für meinen Vater in Form und Farbe ein Sinnbild der Reinheit."

Winterbutter

Inzwischen ist auch klar, was für ein Fett Beuys bei der Herstellung der Fettecke verwendet hatte: Es war laut einem damaligen Gutachten des Restaurierungszentrums der NRW-Landeshauptstadt Winterbutter, die wohl wegen ihrer etwas festeren Konsistenz besser zur Verarbeitung geeignet war als Sommerbutter. Die Fläschchen mit dem "Kunstgeist" der drei Künstler werden noch bis 10. August in der Ausstellung "Kunst und Alchemie" im Kunstpalast gezeigt. Von dpa

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Der "Kunstgeist" aus der Fettecke wurde in Flaschen abgefüllt.

Sieht nicht gerade appetitlich aus: Aus den Resten der Fettecke von Beuys haben Künstler Schnaps gebrannt. <

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