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Seelenstriptease

OBERHAUSEN "Ich habe noch nie so viel Seelenstriptease gesehen wie hier!", sagt die Helena in John Osbornes modernem Klassiker "Blick zurück im Zorn".

Seelenstriptease

Szene mit (v.l.) Karin Kettling, Susanne Burkhard und Torsten Bauer.

Kathrine von Hellermann (Bühne) und Katja Lauken (Regie) gehen bei ihrer Umsetzung des Stücks über die "verlorene" Nachkriegsgeneration im Malersaal des Theaters Oberhausen noch einen Schritt weiter: Sie haben auch noch die Wände heruntergerissen, lassen den "zornigen jungen Mann" Jimmy Porter und seine WG-Genossen in einem Metallrohrgehäuse agieren.

    So wird der Zuschauer zum Voyeur, vor dessen Blicken die Charaktere selbst beim Rückzug vom jeweiligen verbalen "Kampfplatz" in andere Zimmer nicht verschont sind. Dies ermöglicht Lauken aber auch, an den Figuren ganz neue Facetten zu entdecken und die einzelnen Auftritte, Solonummern und Dialoge zusammenzubinden.

Eindringliche Produktion

Torsten Bauer gibt den Jimmy als großspurig-giftigen Kotzbrocken, heftig in Worten wie Taten. Aber er beherrscht es auch souverän, auf der Klaviatur der Gefühle zu spielen. Hinreißend etwa sein Gesang "Schön war die Jugend, sie kommt nicht mehr", bei dem er ganz zärtlich beginnt, um sich peu à peu in Rage hineinzusteigern. Susanne Burkhard in der Rolle seiner jungen Frau Alison ist eine sensible Verzweifelte, die trotz aller Demütigungen wie ein treues Hündchen an ihm hängt. Jan Kämmerer als vorwiegend cooler gemeinsamer Freund Cliff sowie Karin Kettling als mütterlich besorgte Freundin Helena, die für alle Eier in der Pfanne brät (Wasser- und Stromanschlüsse sind vorhanden), gießen mit ihrer Gutmütigkeit eher Öl ins Feuer.

Fazit: eine weitere starke Produktion der Künstlerinnenpreis-NRW-Trägerin Katja Lauken - eindringlich bis zum Schluss.

 

 

    

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