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"Selbstgespräche" ist eine Abrechnung mit den Knechten des Kapitals

"Willkommen im Team! Come in and burn out!", flachst der Chef. Sascha (Maximilian Brückner) ist neu im Call Center. Jetzt arbeitet er im Dienst der neuen Pestilenz, die uns am Telefon dies und das verkauft.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 07.08.2008
"Selbstgespräche" ist eine Abrechnung mit den Knechten des Kapitals

Szene im Film 'Selbstgespräche' und typisch für die Arbeit in Call-Centern: Sascha (Maximilian Brückner) spielt mit einem Kabel herum.

Sascha wird "Call Center Agent". "Go Flat" heißt seine Firma, DSL-Pakete sind das Produkt, das er unter die Leute bringt. "Würden Sie nicht gerne 350 Euro sparen?" - Einer der Verbalköder, mit denen Sascha Kunden fängt.

André Erkau, Regisseur und Autor von "Selbstgespräche", kennt den Job des Telefonwerbers aus eigener Erfahrung. Das Motivations-Gewäsch der Vorgesetzten hat er in seine Filmposse mit eingebaut. August Zirner (als Abteilungsleiter Harms) zu seinen Untergebenen: "Das Lächeln am Telefon ist unser Trumpf!"

Eine Rolle für Undercouver-Journalist Günter Wallraff Günter Wallraff, in einer Minirolle zu sehen, hat die Branche jüngst durchleuchtet. Ergebnis seiner Undercover-Recherche: Angestellte werden ausgebeutet und angehalten, Leute übers Ohr zu hauen. Erkaus Film verkneift sich plumpen Slapstick und billige Häme. Pointen nach dem Muster "Arme Teufel beschwatzen Doofe" sind nicht sein Ziel. Dafür weckt er Sympathie mit der Verliererriege, die im Call Center ihre Brötchen verdient.

Sascha glaubt, er könne beim Fernsehen etwas reißen. Irrtum. Er ist bloß ein Laufbursche. Kollegin Marie (Antje Widdra) ist eine frustrierte Architektin. Adrian (Johannes Allmeyer) trumpft als Verkaufs-Ass am Hörer auf, kann aber keinem Menschen in die Augen schauen. Und der von Zirner gespielte Chef schwankt zwischen aufgekratzt und ausgebrannt.

Alle sind gezeichnet von einer lähmenden Sprachlosigkeit, von Existenzangst und Sinnkrise. Der Film ist eine Ohrfeige im Gesicht der 'New Economy', eine Abrechnung mit der schönen neuen Arbeitswelt und den Knechten des Kapitals. Menschenfreundliche, gut gespielte Aufklärung im Dress einer subtilen Komödie.