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Schauspielhaus Bochum

Shakespeares „Viel Lärm um nichts“ ohne Happy End

BOCHUM Manchmal geht dem Erfolg ein Scheitern voraus. Am Schauspielhaus Bochum ist Regisseur Lukas Langhoff wegen eines Streits mit dem Ensemble daran gescheitert, Shakespeares "Viel Lärm um nichts" fertig zu inszenieren. Dramaturg Olaf Kröck und das Ensemble haben aus seinen Ideen jedoch einen unbedingt sehenswerten Abend zusammengebracht.

Shakespeares „Viel Lärm um nichts“ ohne Happy End

Szene aus dem Shakespeare-Stück in Bochum mit (v.l.) Xenia Snagowski, Juliane Fisch und Bernd Radmacher.

Als sich der Vorhang öffnet, gibt er den Blick frei auf ein sizilianisches Landhaus, das Sanatorium und private Schönheitsklinik ist. Hier trifft sich eine Gesellschaft aus Kriegsheimkehrern um Don Pedro. Raiko Küster spielt ihn als zynisch-verbitterte vom Kampf gezeichnete Figur.

Claudio hat einen Gipsfuß, Benedikt sitzt im Rollstuhl und Hero hat anscheinend eine Gesichts-OP gehabt und wird von den anderen nur "die Mumie" genannt.

Verwirrspiel um die Liebe

Unter diesen Voraussetzungen lässt sich kein leichtes Verwirrspiel um die Liebe spielen im schönen Schein der höfischen Gesellschaft. Die Figuren versuchen gar nicht, den Schein eines unbeschadeten Lebens aufrechtzuerhalten.

Die gesellschaftliche Ordnung steht auf tönernen Füßen, das leichte Leben ist eine absurde Farce. Ein schönes Bild dafür findet die Inszenierung mit einem slapstickartigen Tischtennisspiel, bei dem Don Pedro, Claudio und der Hausherr Leonato im spottenden Benedikt äußerst ungelenk den Gedanken an die Liebe zu Beatrice säen.

Doppelhochzeit entfällt

Dieses Spiel ist ein komischer Höhepunkt in einem erstaunlich leichtfüßigen Abend, der bitterböse endet: Am Schluss wird keine Doppelhochzeit gefeiert.

Da stehen blutüberströmte lebende Tote in einer Drehbühne, die den Blick auf die Rückwand freigibt: Im Meer schwimmen zwei Boote mit Flüchtlingen. Das ist dick aufgetragen, aber doch stimmig: Der Lärm um nichts, das dekadente Luxus-Leben ist nur möglich, weil man andere aussperrt.

Termine: 4./11./22.2.; Karten: Tel. (0234) 33335523

 

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