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Sinfonie vom Suchen und Finden der Liebe

Dortmunder Philharmoniker

DORTMUND. Da war Schönberg wohl zu optimistisch: "Möglicherweise wird seine Zeit früher kommen, als man denkt", hat er über seinen Lehrer und Schwager Alexander Zemlinsky sieben Jahre nach dessen Tod gesagt. Das war 1949, und selbst heute wird nur eine Handvoll Zemlinsky-Werke aufgeführt. Wie schade das ist, zeigten die Dortmunder Philharmoniker im letzten Philharmonischen Konzert der Saison im Konzerthaus Dortmund mit der beeindruckenden Interpretation der "Lyrischen Symphony".

von Von Julia Gass

, 27.06.2012
Sinfonie vom Suchen und Finden der Liebe

Mikhkel Kütson dirigierte in Dortmund.

Vielleicht hat die Live-Übertragung auf WDR 3 das Orchester beflügelt, vielleicht aber auch Dirigent Mihkel Kütson. Der 41-jährige Este ist ab der nächsten Saison Generalmusikdirektor in Krefeld. Der Dortmunder GMD Jac van Steen ließ sich mit einer Viruserkrankung entschuldigen. Kütson ist ein genauer Dirigent und ein Motivator. Alles klang nach Aufbruch an diesem Abend: Schumanns vierte Sinfonie zu Beginn mit einem breiten, satten Klang. Selten hat man von den Philharmonikern so einen glücklich machenden Breitwand-Sound gehört.Verzweiflung einer liebenden Frau

Zemlinsky nach der Pause klang bei Kütson wie Mahler. Glänzend lotete er in dem fast 90-köpfigen Apparat die Wechsel zwischen Sinnlichkeit und dramatischer Emotion aus. Nicht nur zart und lyrisch illustrierte das Orchester die sieben Facetten von Liebe, die Rabindranath Tagore in seinen Gedichten schildert. Leidenschaftlich glühend klangen die Kapriolen und Verzweiflung der liebenden Frau.Tolle Solisten

Hervorragende Solisten hatte das Konzert: Christiane Kohl übernahm mit jungem, schlanken Wagnersopran den lyrischen Teil; Roman Trekel war ein sehr in sich ruhender Bariton mit viel Ausdruck, der sich nur im ersten Lied anstrengen musste, um nicht im großen Klang unterzugehen. - Das beste Konzert in dieser Saison der Philharmoniker.