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Ruhrfestspiele: Ovationen für "Die Möwe"

So bewegend kann Langeweile auf dem Land sein

RECKLINGHAUSEN Theater ist eine flüchtige Kunst. Der Abend ist vorbei, später endet die Spielzeit oder es wechselt schließlich der Intendant - schon sind meisterhafte Inszenierungen für immer verschwunden. Nicht so beim Regisseur Jürgen Gosch: Das Deutsche Theater Berlin spielt "Die Möwe" weiter und weiter - wie auch am Wochenende bei den Ruhrfestspielen.

So bewegend kann Langeweile auf dem Land sein

Regisseur Jürgen Gosch bei der Arbeit im Deutschen Theater in Berlin im Mai 2007.

2009 war Gosch gestorben, Tschechows "Möwe" war eine seiner letzten Arbeiten. Ebenso wie "Onkel Wanja" war sie jetzt in Recklinghausen zu sehen. Und nach dem Erfolg von "Onkel Wanja" gab es auch für diese "Möwe" Jubel und Standing Ovations.Darsteller auf langer Bank Langweilig ist es auf dem Land, und immer hocken alle zusammen. Für die "Möwe" schiebt Gosch erneut alle Darsteller auf eine lange Bank, die ihm Ausstatter Johannes Schütz gebaut hatte. Ein gigantischer Scheinwerfer beleuchtet die Szene wie die heiße Sommersonne den See.Fantastische Corinna Harfouch

Und diesen See glaubt man zu sehen oder doch zumindest zu fühlen, wenn die fantastisch aufspielende Corinna Harfouch ihre Beine über die Bühnenkante baumeln lässt. Als Schauspielerin Irina ist sie der Mittelpunkt des Geschehens: lebenslustig, kokett und so egomanisch, dass sie noch nicht mal liest, was ihr Sohn Konstantin als angehender Schriftsteller zu Papier bringt. Der wird sich zum Schluss erschießen, denn er ist unglücklich verliebt - in die "Möwe" Nina. Die wiederum will nur Boris, der sie am Ende sitzen lässt.Psychologisch fein gemeißelt

Das ist psychologisch fein gemeißelt und sehr bewegend. Vor allem intime Szenen wie die Liebeserklärung Konstantins (Jirka Zett) an Nina (Kathleen Morgeneyer) oder ein Tanz der Gutsverwalterstochter Mascha mit Boris - herausragend gespielt von Meike Dorste und Alexander Khuon - wirken, als schauten wir dem Leben selber zu. Die "Möwe" entfacht zwar nicht dieselbe Spannung wie "Onkel Wanja", wohl aber dieselbe Stimmung.

Die wäre im Übrigen am Samstagabend fast zu Bruch gegangen, weil zwei unsensible Zuschauer kurz nacheinander in die beiden letzten stillen Szenen hinein applaudierten. Das muss doch nicht sein.

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