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Spiel um den Esstisch

"Nathan der Weise"

ESSEN Kleists „Penthesilea“ ließ Lisa Nielbock in den Bochumer Kammerspielen um einen riesigen Tisch herum spielen. In ihrer ersten Regie für das Essener Grillo Theater verhandelt die multikulturelle Patchwork-Familie Lessings Humanitätsideal und Toleranzgedanken am Esstisch.

von Von Britta Helmbold

, 18.05.2010
Spiel um den Esstisch

Barbara Hirt als Recha und Krunoslav Sebrek als Tempelherr.

Das dramatische Gedicht „Nathan der Weise“ hat Nielbock nicht im Mittelalter gelassen, sondern im Heute angesiedelt. Bühnenbildnerin Kathrin Schlecht hat ein schneeweißes Halbrund mit drei Türen aufgebaut – dominiert von einem langen Esstisch. Da treffen Juden, Christen, Moslems aufeinander, führen Gespräche über Vorurteile, ideologisches Denken und über Toleranz. An dem Tisch kommen sich auch die „Kinder“ näher: Obst, auch solches mit ungenießbaren Schalen, stopfen Recha, die Barbara Hirst trotzig-rotzig gibt, und ihr Retter, der Tempelherr, den Krunoslav Šebrek als naiv-verwirrten Jüngling spielt, in sich hinein. Für Aktion auf der Bühne muss die gut gefüllte Obstschale am Ende noch einmal sorgen, dann dienen die Früchte dem Sultan und seinem Neffen als Wurfmaterial.

In erster Linie wird in der knapp zweistündigen Aufführung geredet. So plaudert Jürgen Hartmann in der Titelrolle als pragmatischer Geschäftsmann charmant drauflos, gerät aber sichtlich in Bedrängnis, als der Sultan (souverän im schicken Kampfdress: Andreas Grothgar) von ihm kein Geld leihen, sondern wissen möchte, welche die beste Religion sei. Mit der berühmten Ringparabel zieht sich Nathan aus der Affäre. Am Ende – nach der Familienzusammenführung – bleibt er allein zurück. Kleine Regieeinfälle amüsieren, beispielsweise wenn der Sultan und seine Schwester (Bettina Engelhardt im eleganten Hosenanzug mit Kopftuch) ironisch distanziert Klagelaute wegen des toten Bruders ausstoßen oder der Klosterbruder (Holger Kunkel) dem Tempelherr anzüglich das Knie tätschelt. Henriette Thimig überzeugt als Daja mit Blockwartmentalität. 

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