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Theater: Spannendes Mörderspiel "Tannöd" auf der Bühne

CASTROP-RAUXEL Grausam wurde eine Familie mit der Spitzhacke ermordet. Steif und mit leerem Blick verharren die Dorfbewohner bei ihrem Bericht. Die Bühnenadaption von Andrea Maria Schenkels Krimi "Tannöd" feierte Premiere im Studio des Westfälischen Landestheaters Premiere und ging dem Täter auf die Spur.

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Ein Dorf in Angst und Schrecken.

Der Bestseller "Tannöd" auf der Bühne.

Doch schnell nimmt das Stück Fahrt auf. Die Figuren brechen aus ihrer Erstarrung aus, geben ihren angestauten Emotionen Ausdruck. Auf der kargen Bühne kracht es zuweilen und wird laut.

Wochenlang führte Andrea Schenkels Roman "Tannöd" die Bestsellerlisten an. Um das Verbrechen aufzuklären, wählte die Autorin statt eines Kommissars die Dorfgemeinschaft. Aus wechselnder Perspektive schildern verschiedene Bewohner, was sie beobachtet haben und - wichtiger noch - was sie von den Opfern halten. Eben nicht viel. Die Danners galten als eigenbrötlerisch und geizig. Mit jedem weiteren Zeugen komplettiert sich, einem Puzzle gleich, ein Bild, das schließlich zum Mörder führt.

Geschickt blendet Regisseur Gert Becker mehrere Erzählerberichte ineinander, so dass der Eindruck entsteht, die Figuren würden sich unterhalten. Dadurch wird der Stoff lebendig. So verschmelzen beim Auffinden der Toten gleich vier Zeugenaussagen zu einer spannungsgeladenen Szene. Zu sehen ist trotzdem nichts.Eine Madonna und zwei Kirchenbänke Weder die Toten noch das Mordwerkzeug. Der Schrecken wird wie in jedem guten Kriminalstück an das Vorstellungsvermögen des Zuschauers delegiert. Auch die schöne, karge Bühne (ebenfalls von Gert Becker entworfen) kommt mit zwei schräg versetzten Bretterwänden, einer Madonna und zwei Kirchbänken aus. Der Rest ist Schauspiel. Zickig und überheblich die Frauen, eher mundfaul und selbstbezogen die Männer. Während Erstere sich einen Anflug von bayerischem Dialekt erlauben dürfen, was der Inszenierung sehr gut bekommt, granteln Letztere durchweg Hochdeutsch.

Dank Mehrfachbesetzungen ist jeder der famosen Schauspieler in mehr als nur einer Rolle zu erleben. Etwa Julia Gutjahr als stolze Spanglerin und sanfter Meister Tod, Walter Theil als latent gewaltbereiter Danner und salbungsvoll parlierender Pfarrer Meißner.

Eine rundum gelungene Theaterfassung, die keinen Romanfan enttäuschen wird.

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