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Theater an der Ruhr: Festival "Weiße Nächte"

MÜLHEIM "Böhmen am Meer" kennt man aus Shakespeares "Wintermärchen". Mit dessen Ruhrgebiets-Variante "Mülheim am Meer", das es vor rund 100 Millionen Jahren wirklich gegeben hat, macht noch bis Ende dieser Woche das Theater an der Ruhr im Rahmen seines sommerlichen Open-Air-Theaterfestivals "Weiße Nächte" bekannt.

von Von Klaus Stübler

, 10.08.2008

Das Projekt zum 200-jährigen Jubiläum der Stadt sah eigentlich ein Theaterstück aus Geschichten seiner Bürger vor. Aufgrund der Flut der Rückmeldungen ist jetzt ein multimediales Gesamtkunstwerk daraus geworden, das jetzt im Theater an der Ruhr und im angrenzenden Raffelbergpark erstmals zu besichtigen war.   Rund 100 Schnappschüsse aus privaten Fotoalben bilden ein zu durchstreifendes "Labyrinth der Erinnerungen". Subjektive Hörreisen in die Mülheimer Vergangenheit lassen sich in einem Hörzelt und von im Park verstreuten "Klang-Inseln" aus unternehmen. Anderes wird im Theater live erzählt oder im Rahmen von Erinnerungsfilmen präsentiert. Etwa die - zusätzlich in einer kleinen Ausstellung dokumentierte - Karriere der Mülheimer Operettendiva Käthe Guss, die nach dem Zweiten Weltkrieg in ihrer Heimatstadt eine eigene Bühne leitete. Wie Theaterkulissen wirken die wohnzimmerfenstergroßen Dioramen mit idyllischen dreidimensionalen Alt-Mülheimer Szenen im Theaterfoyer. Wurden im Rahmen der "Weißen Nächte" bislang immer "nur" Highlights aus dem Theaterrepertoire gezeigt, so warteten Hausherr Roberto Ciulli und sein Team diesmal mit einer veritablen Premiere auf: "Wer hat meine Schuhe vergraben?" ist eine aus Bewegungsimprovisationen entstandene, teils subjektive, teils kollektive Erinnerungsrevue. Die 90-minütige Szenenfolge lässt fast ohne Worte - dafür mit reichlich Musik vom Band - ein Jahrhundert deutscher Geschichte vorüberziehen. Ein großer Sandkasten wird dabei zum Symbol für Werden und Vergehen, Verlieren und Wiederfinden. Poetisch, witzig, eindrucksvoll.