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Museum Küppersmühle

Thielers Bilder bersten vor Dynamik

DUISBURG Die informelle Nachkriegsmalerei galt lange als hoffnungslos gestrig. Ihre Kritiker verkannten, dass sie Ausdruck einer neu gewonnen Freiheit nach der Nazi-Diktatur war. Diese Freiheit manifestiert sich in den Bildern des Malers Fred Thieler in einer explosiven Dynamik.

Thielers Bilder bersten vor Dynamik

Farbschichtungen entfachen Sogwirkung.

Das Duisburger Museum Küppersmühle stellt ihn mit einer Retrospektive als einen der bedeutendsten Abstrakten der deutschen Nachkriegskunst vor. 50 Gemälde, darunter viele Großformate, und ebenso viele Arbeiten auf Papier zeichnen die Entwicklung des 1999 in München verstorbenen Künstlers nach.Heftige Farbwirbel

Ganze Konvolute von Farblithografien, Siebdrucken, Aquatinta-Radierungen und Strichätzungen belegen, wie Thieler mit dynamischen Formprozessen experimentierte. Selbst das über fünf Meter breite Triptychon "Palenque" birst vor Spannung. In jedem der drei Teile scheint ein heller Krater Ströme von Farben zu speien. Heftige Farbwirbel und ungestüme Ströme prägen Thielers Handschrift. Seine Farbschichtungen entfachen durch imaginäre Tiefenwirkung Sogkraft. Nur selten finden sich Strukturen, die dem Auge Halt gönnen, wie die dominierenden schrägen Achsen in dem späten Gemälde "Mit diagonalem Rot" (1991).In einer Serie kleinformatiger Papierarbeiten aus den späten Fünfzigern hat Thieler Siebdruckfarbe mit dem Spatel aufgetragen. Das Ergebnis ähnelt in seiner Riffelstruktur verblüffend jüngsten Arbeiten des Malerstars Gerhard Richter. Thieler freilich ging weniger systematisch als experimentell vor. Im Malprozess näherte er sich dem amerikanischen Action Painting, als er Farbe auf Leinwände am Boden schüttete.

Lebendige Farbräume In den vier wuchtigen Hochformaten der Wannsee-Serie, die Anfang der Sechziger für das frühere Kurhaus Wannsee entstanden sind, bilden Schlieren und Farbfäden ein feines Gespinst.Später experimentierte er in einer Mischung aus Collage und Decollage mit Papierfetzen und Stoffen. So entstanden bewundernswert lebendige, scharfkantige Farbräume.

Museum Küppersmühle, Duisburg: "Fred Thieler - Malerei", bis 2.2., Philosophenweg 55, Mi 14-18 Uhr, Do-So 11-18 Uhr, Katalog 25 Euro.

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