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Thomas Struth zeigt Triumphe und Tücken der Technik

Ausstellung in Essen

Wer glaubt, ein Kabelwirrwarr unter dem eigenen Schreibtisch zu haben, der hat die Fotos von Thomas Struth noch nicht gesehen. Wahnsinn, mit was für Kabelknoten und Kabelbäumen die Forscher des Max-Planck-Institutes in Garching zu kämpfen haben. Triumphe und Tücken der Technik sind die liebsten Motive des Star-Fotografen Struth, der 34 neue Bilder im Essener Folkwang-Museum zeigt.

ESSEN

, 03.03.2016
Thomas Struth zeigt Triumphe und Tücken der Technik

Das Helmholtz-Zentrum in Berlin hat Thomas Struth im Jahr 2012 fotografiert.

"Nature & Politics" heißt diese faszinierende Werkschau, deren Exponate größtenteils noch nicht öffentlich zu sehen waren. Mit großen Augen steht der Betrachter vor noch viel größeren Fotografien. Allein das Bild der Baustelle einer Halbtaucherbohrinsel in Südkorea ist 3,50 Meter breit und fast drei Meter hoch. Imposant!

Im Hangar der NASA

So groß wie die Fragen der Forscher sind auch der berühmte "Armstrong Hangar 703" der NASA in Palmdale/USA oder der "Stellarator Wendelstein 7-X", mit dem das Max-Planck-Institut in Greifswald die Kernfusion erforscht, die all unsere Energieprobleme lösen könnte. Interessant sind aber auch die kleinen Beobachtungen am Rande. Da liegen die lustigen Rucksäcke der Forscher in einer Ecke, da sind superteure Maschinen so krumpelig mit Alufolie umwickelt, dass es aussieht wie im eigenen Kühlschrank.

Thomas Struth (geboren 1954) hat wie Andreas Gursky und Thomas Ruff bei den Industriefotografen Bernd und Hilla Becher gelernt, ihre Perfektion und Objektivität durchdringen auch sein Werk. Um so erstaunlicher, dass Struth sich bei der Pressekonferenz in Essen als Technik-Skeptiker zeigte. "Die einseitige Wette der Menschen auf die Technologie ist ein Versprechen, das ich bedenklich finde", sagte der Fotograf, der zum korrekten Jackett witzige orange-schwarze Turnschuhe trug.

Zu Gast bei Disney

Neben seinen Ausflügen in die verborgene Welt der Laboratorien durfte sich Struth auch hinter den Kulissen des Disneyland-Resorts in Anaheim/USA tummeln. So bunt und knallig die menschenleeren Fotos auf den ersten Blick wirken, so kalt, kalkuliert und abstoßend wirkt diese künstliche Welt beim näheren Hinsehen.

Zwei Meisterwerke bieten dazu einen Ausgleich: das Foto eines Aquariums in Atlanta mit einer aufgeregten Schulklasse davor und ein weiteres Bild, das nicht reproduziert werden darf: ein Patient, der in der Berliner Charité operiert wird. So sehr der Körper zwischen den Geräten gefangen scheint, so intensiv denkt der Betrachter doch darüber nach, ob die Medizin diesen Menschen wohl gerettet hat.

Was ist ein Tokamak?

Einen Nachteil hat die Schau allerdings. Keines der Bilder wird erklärt. Trotz einer Broschüre steht der Besucher vor dem "Tokamak Asdex Upgrade" (einer Fusionsforschungsanlage in Garching) und versucht es zu enträtseln. Er wolle keine Technik-Revue bieten, betont Struth: "Wenn ich die Bilder erklären wollte, würde ich Reden halten."

Museum Folkwang Essen: "Thomas Struth", Museumsplatz 1, 4.3.-29.5.2016, Di/Mi/Sa/So 10-18, Do/Fr 10-20 Uhr. Geöffnet auch Karfreitag/Ostersonntag/ Ostermontag/ 1. Mai/ Christi Himmelfahrt/ Pfingstsonntag/ Pfingstmontag. Eintritt 8 (ermäßigt 5) Euro, Katalog 45 Euro.