Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Kino: "Rock of Ages"

Tom Cruise mimt Axl Rose

Was soll man halten von einem Film, der vorgibt, den Rock 'n' Roll zu feiern und ausgerechnet mit Tom Cruise als Hardrock-Biest aufwartet? Wo ein Scientologe also den personifizierten Exzess spielt? Und Alec Baldwin unter grauer Strunzel-Perücke einen Clubbesitzer mimt, der sich König Rock verschrieben hat? Nicht allzu viel.

Tom Cruise mimt Axl Rose

<p>Als alte Rocker: Alec Baldwin (l.) und Russell Brand.</p>

Ein Film, der Rock-Rock-Rock sein möchte, aber nicht mal die Chuzpe hat, den Figuren eine einzige Zigarette (geschweige denn Härteres) zu gönnen. Adam Shankman hat ihn gedreht, der Film heißt "Rock Of Ages" und basiert auf einem Musical. Wo so viel politische Korrektheit waltet, wird das Rebellische zu bloßer Behauptung und blanker Pose. "Musical" erklärt natürlich vieles. Die seichte Story etwa. Boy trifft Girl. Ein Kleinstadt-Mädel (Julianne Hough als Barbie-Blondchen) kommt nach Hollywood, kellnert und lernt einen süßen Burschen (Diego Boneta) kennen. Ja, es ist Liebe. Unter den "Hollywood"-Großbuchstaben trällern die beiden ein Duett: "Waiting For A Girl Like You". Typisch 80er-Jahre.Pavian in Leder und Nieten "Rock Of Ages" spielt denn auch 1987, die Musik ist ein Querschnitt durch den Mainstream-Rock der Dekade. Bon Jovi, Joan Jett, Foreigner, Whitesnake, Jefferson Starship sind zu hören. Eine Liebesgeschichte plus die Kuschelrock-Hymnen der guten, alten Zeit - Musical-Kalkül ist wirklich leicht auszurechnen. Unter all den Songs ist "Paradise City" von Guns N' Roses noch der härteste, womit wir bei Tom Cruise wären. Sein Styling als Rock-Star Staycee Jaxx ist unverkennbar beim Guns-N'-Roses-Frontmann Axl Rose abgekupfert. Tattoos, Bandana, Cowboyhut, Pelzmantel, Lederhose mit fetter Gürtelschnalle. Staycee hat den Scotch immer in Reichweite, die Groupies auch. Als Gipfel der Exzentrik hält er einen Pavian, der in Leder und Nieten Lacher schinden soll.Nur Abziehbild eines Rock-Gottes Cruises Vorstellung eines gelangweilten, egomanischen Rock-Gottes läuft auf ein Abziehbild hinaus: Er wankt, er schwankt, der Blick schweift ins Leere. Heiser raunt er abgedrehtes Zeug, auf der Bühne suhlt er sich in der Hysterie der Fans. Immer sieht man den verkleideten Cruise in dieser Gockelfigur, so wenig glaubhaft wie Alec Baldwin als Altrocker. Parodistisch witzig ist das auch nicht.Knalltüte von Manager Paul Giamatti (als Knalltüte von Manager) zieht sich noch achtbar aus der Affäre. Catherine Zeta-Jones führt die Frauenfront gegen Heavy Metal, die "moralische Mehrheit" protestiert gegen die Verderbtheit des Rock 'n' Roll. Von der nicht viel geblieben ist: Weichspüler-Hits, gelackte Bilder, keimfreies Milieu. Die Welt des Musicals riecht nach Plastik, nicht nach Leder, Schweiß und Bier.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Berlinale

Flucht ins Ungewisse

Berlin Mit Christian Petzolds „Transit“ findet der Berlinale-Wettbewerb einen ersten Höhepunkt. Der Regisseur verlegt einen Roman von Anna Seghers beklemmend selbstverständlich in die Gegenwart. mehr...

Buchkritik

Maurizio de Giovanni: „Frost in Neapel“

Maurizio de Giovanni lässt in „Frost in Neapel“ Polizist Lojacono bereits in seinem vierten Fall in der Stadt am Fuße des Vesuvs ermitteln. Im kältesten Winter seit Jahrzehnten wird in der Stadt am Mittelmeer ein Geschwisterpaar umgebracht.mehr...

Buchkritik

Edward Gorey: „Das kleine ABC vom Unglück“

„A ist für Alma, zum Sturze ward ihr Lauf. B steht für Bruno, den fraßen Bären auf. C steht für Claire, die an Schwindsucht verblich.“ So beginnt „Das kleine ABC vom Unglück“, mit dem Edward Gorey ein Büchlein zusammengestellt hat, das vor düsterer Ironie nur so trieft.mehr...

Die Gäste der Eröffnungsfeier

Das trägt die Berlinale

Berlin Vom klassischen weißen Kleid über die Glitzer-Robe bis zu Turnschuhen war bei der Eröffnung der Berlinale am Donnerstag jeder Stil auf dem roten Teppich vertreten. Keine Spur von schwarzer #MeToo-Anteilnahme?mehr...

Teenie-Star auf der Berlinale

Pippi-Western „Damsel“ mit Robert Pattinson erstaunt

BERLIN Kein Bär in der Prärie: Am ersten Wettbewerbstag der Berlinale verblüfft der Ex-Vampir Robert Pattinson in einem schrägen Western mit Zwergpony. „Damsel“ ist zugleich der erste Beitrag des Festivals zur MeToo-Debatte.mehr...