Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Träume aus Licht

Theater Dortmund

Der Sunset-Boulevard ist so vieles: Märchenstraße, Albtraum-Chaussee, Glitzer-Allee. Die Hausnummer 10086, die in Andrew Lloyd Webbers Musical "Sunset Boulevard" der Hauptspielort ist, ist noch viel mehr: Dort erlöschen Träume aus Licht. Regisseur Gil Mehmert hat das Musical wunderbar vielschichtigauf die Bühne des Dortmunder Opernhauses gebracht.

DORTMUND

, 09.10.2016
Träume aus Licht

Pia Douwes als Norma Desmond: Die Diva will ihre Träume aus den 20er-Jahren in der Gegenwart weiterleben.

Die Inszenierung ist eine Adaption von Mehmerts Hersfelder Festspielfassung aus dem Jahr 2011. Im geschlossenen Raum des Dortmunder Opernhauses ist sie intimer, aber immer noch flott. Vorbild für die schnellen Szenen-Wechsel ist der Film "Sunset Boulevard" von Billy Wilder von 1950. Das Musical ist bunter, zeigt die pralle Show der "Uns geht's gut"-Partygesellschaft in Hollywood, die in hartem Kontrast zur fast schwarz-weißen Welt des Stummfilmstars Norma Desmond steht.

Musicalstar Pia Douwes spielt und singt diese aus der Zeit gefallene Diva fantastisch. Und sie zeigt viele Gesichter des gealterten Filmstars: das der zickigen Leinwandkönigin und das der Frau, die durch die Liebe zu einem jungen Mann aufblüht.

Die Diva und der Dandy

Oliver Arno spielt den Joe, der seine Untreue mit dem Leben bezahlen muss, als großen Jungen, dem die Kleider eines Dandys der großen Film-Dame nicht gut passen.

Der Dortmunder Kammersänger Hannes Brock macht die kleine Rolle des Butlers Max zu etwas ganz Großem. Der Butler ist der einzige, der Norma und nicht ihren Glamour wirklich liebt. Max war auch ihr erster Mann und der Regisseur ihrer frühen Filme.

Gänsehaus-Momente

Gil Mehmert erzählt wunderbar beides: eine sensible Geschichte über das Älterwerden und eine Musical-Show in bunten Kleidern in den Filmstudios. Das hat Silvester-Flair, aber die tragischen Szenen über die Träume von Norma Desmond, sind die Gänsehaut-Momente dieser Inszenierung. Und die prächtigen Roben, die Norma ständig wechselt, haben einen nostalgischen Glamour.

Es überrascht immer wieder, wie Mehmert auf einer schrägen Rampe in der Bühnenmitte (tolles Bühnenbild: Heike Meixner) mit simplen Mitteln große Effekte schafft: In der Verfolgungsjagd der beiden Autos, die nur aus Schweinwerfern besteht, oder in der Szene, in der Max Norma in die Paramount-Studios chauffiert. Aus Statisten setzt sich da blitzschnell ein Auto zusammen.

Sinfonische Bigband

Und wie wohltuend hebt sich diese Produktion musikalisch von Musical-Aufführungen ab, in denen nur noch ein Synthesizer und eine Handvoll Musiker im Graben sitzen. Die Dortmunder Philharmoniker präsentieren unter Leitung von Ingo Martin Stadtmüller mit 44 Musikern sinfonischen Bigband-Sound. Das klingt toll und gibt dem Stück noch mehr Drive und Kraft. Ein Fest für Musical-Freunde.

Termine: 16./23./28./ 30.10., 2./12./18./ 27.11., 10./23./31.12., 22.1.; Karten: Tel. (0231) 5027222.

Lesen Sie jetzt