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"Tristan justiert die Sinne neu"

Benedikt Stampa im Interview

DORTMUND In einer Woche beginnt die neue Saison im Konzerthaus Dortmund. Die neunte des jungen Hauses, die sechste von Intendant Benedikt Stampa und eine besondere Spielzeit, weil sich der neue Exklusivkünstler Esa-Pekka Salonen vorstellt. Julia Gaß sprach mit Benedikt Stampa.

von Von Julia Gaß

, 30.08.2010
"Tristan justiert die Sinne neu"

Benedikt Stampas Slogan für das Konzerthaus ist "So klingt nur Dortmund".

Das ist so ähnlich wie bei der Spieler-Akquisition im Fußball. Man braucht Beharrlichkeit und eine Idee, die man glaubhaft vermitteln kann. Esa-Pekka Salonen ist ein Mensch mit vielen programmatischen Ideen, ihm geht es sehr um Vermittlung von Musik, er ist neugierig und begeisterungsfähig.

Wir entwickeln ein ganzes Kommunikationspaket, auch mit Aktionen. Wir binden das Publikum ein, es soll den Menschen Esa-Pekka Salonen erleben. 2011 wird Salonen auf einer ganzen Etage des U-Turms sein re-rite-Projekt präsentieren. Er hat sich in Strawinskys "Sacre" aus vielen Positionen filmen lassen. Auf Monitoren sehen die Besucher das so, als stünden sie im Orchester. Und wenn vor einem Monitor eine Pauke steht, können sie auch mitspielen. Wenn die Menschen Musik als Teil der Alltagskultur begreifen, haben wir ein großes Ziel erreicht.

Der "Tristan" ist Abschluss eines dreitägigen Festivals, der "Zeitinsel", die er mit dem London Philharmonia Orchestra am 14.9. eröffnet. Dieses Konzert bietet dem Publikum viel Sicherheit.

Das ist eine der bedeutendsten Wagner-Interpretationen der letzten Jahrzehnte, ein Event auf höchstem Niveau. Die Bilder wird man nie vergessen. Mit der Inszenierung von Peters Sellars und den Videos von Bill Viola kann man die Sinne neu justieren. Das Publikum sollte uns einen Vertrauensvorschub geben. Es war oft so, dass Besucher hinterher gesagt haben "gut, dass ich da war".

Wir hatten in der letzten Saison einen Abo-Zuwachs von 20 Prozent und eine Auslastung von 70 Prozent. Das beruhigt, vor der letzten Saison war ich nervöser. Wir haben die Abo-Zahlen von 5400 schon fast wieder erreicht. In der Reihe "Sinfonie um 4" haben wir sogar einen Zuwachs von knapp 32 Prozent.

Anne-Sophie Mutter ist zu 95 Prozent voll, das Gewandhaus am 1.12. auch und Esa-Pekka Salonen am 14.9.

Verdichten. Wir wollen Stars präsentieren, aber nicht nur mit Tourneeprogrammen, sondern mit ihnen programmatische Ideen entwickeln. Mit Harding und Nézét-Seguin werden wir in den nächsten drei Jahren viel zusammen arbeiten, wir wollen ein Ensemblehaus werden mit Festspielcharakter für die besonderen Ereignisse. Und von Salonen gehen viele Impulse aus. Davon werden wir alle unglaublich profitieren. Jedes Konzert sollte auf höchstem Niveau sein, das ist unser Anspruch.

Nein. Ich sehe das wie zwei Häuser in einer Fünf-Millionen-Stadt, das ist nicht zu viel. Wir haben einen Vorsprung und den werden wir ausbauen. Und 2013 werden wir eine große Produktion zusammen machen.

Ja sicher. Wahrscheinlich bis 2015. Es gibt derzeit kein Konzerthaus in Deutschland mit so guten Produktionsbedingungen.

Leuchttürme wie wir sind von dem Programm relativ unberührt. Pleitgen und Scheytt machen gute Arbeit, aber sie haben mehr auf die Mitmachkultur gesetzt. Die Verzahnung zu den Leuchttürmen fehlt ein wenig. Aber die Kulturhauptstadt hat soviel Aufmerksamkeit aufs Ruhrgebiet gelenkt. Das ist ein unheimliches Pfund. Es wird sich in einigen Jahren auszahlen, was hier für ein Grundstein gelegt wurde.

Der "Tristan" mit Esa-Pekka Salonen, das Konzert mit Anne-Sophie Mutter und den Berliner Philharmonikern am 27. Januar und die Bartok-Zeitinsel im Januar.

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