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Ungewöhnliches Museum auf Zeit an der A40

Erinnerung an Galerie von Inge Baecker

Das ungewöhnlichste Museum des Ruhrgebietes ist zur Zeit unter der Adresse Berggate 69 direkt neben der Autobahn 40 in Bochum zu finden. Es ist ein riesiges Kellergeschoss. In den Etagen darüber trainiert der Tanzsportverein Ruhr-Casino und ein Sadomaso-Sexshop wartet auf Kunden. Und doch: Die Ausstellung erinnert daran, dass hier Kunstgeschichte geschrieben wurde.

BOCHUM

, 04.07.2014
Ungewöhnliches Museum auf Zeit an der A40

Der Reifenturm von Allan Kaprow

Denn in dem unauffälligen Haus befand sich einst die Fluxus-Galerie Inge Baecker. Berühmte Künstler wie Allan Kaprow, Wolf Vostell, Mauricio Kagel oder Nam June Paik gaben sich hier zwischen 1971 und 1975 die Klinke in der Hand. Im Rahmen des Ausstellungsprojektes „Die Schönheit der großen Straße“ hat Kurator Markus Ambach an der Berggate eine hochinteressante Erinnerungs-Schau eingerichtet.

Auch Inge Baecker (70) selbst erinnert sich gerne an diese Jahre. Sie hatte 1968 ihr Studium der Kunstgeschichte abgeschlossen und damit begonnen, Kunst aus ihrer Wohnung heraus zu verkaufen. „Mein Hauswirt war nicht begeistert“, erzählt sie. Ihr erster Kunde war Hans Schalla. Der damalige Intendant des Bochumer Schauspielhauses kaufte die Anti-Kriegs-Grafik „Lippenstiftbomber“ von Wolf Vostell.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Schönheit der großen Straße

Die Ausstellung "B1/A40 - Die Schönheit der großen Straße" bis 7. September Kunst entlang der Autobahn. Sie lenkt aber auch den Blick auf die Menschen, die an der Straße leben.
13.06.2014
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Der Heißener Hof in Mülheim hat zur A40-Ausstellung eine spezielle Fleischwurst produziert.© Foto: Jäger
"Eichbaumgold" heißt dieses Gebäude am U-Bahnhof Eichbaum in Mülheim, das schon für die A40-Schau im Jahr 2010 entstanden war. Es ist zu den Öffnungszeiten der Ausstellung zu besichtigen. © Foto: Jäger
Markierungen auf dem Boden weisen den Weg zu den Kunstwerken.© Foto: Jäger
Die Schwestern Christine und Irene Hohenbüchler haben an der Autobhn in Mülheim-Heißen Taubenhäuser und -ställe aufgestellt. Die Künstlerinnen stammen aus Österreich. © Foto: Jäger
"Flieg, Vogel flieg" heißt das Kunstwerk und reflektiert das Thema Gefangenschaft und Freiheit. © Foto: Jäger
Die schönen Ziertauben stammen von einem Züchter aus Münster.© Foto: Jäger
Ebenfalls an der Abfahrt Mülheim-Heißen steht das halbierte Zirkuszelt des Künstlers Volker Lang. Hier werden Aufführungen stattfinden.© Foto: Jäger
Ausgesprochen witzig sind die dicken Matten, mit denen Leni Hoffmann in ihrem Werk "Klitschko W Klitschko V" einen Sitzplatz unter einer Fußgängerbrücke in Essen-Frillendorf verschönert hat. © Foto: Jäger
In Essen-Frillendorf hat der Künstler Manuel Franke einem bestehenden Haus eine irritierende Fassade vorgehängt. Die Arbeit heißt "Fixstern". © Foto: Jäger
Die gelbe Wand vor dem Haus ist weithin zu sehen.© Foto: Jäger
Irritierende Eingriffe in den Stadtraum sind die Personen aus Blech, die Jakob Kolding überall an der A 40 in Essen-Frillendorf augestellt hat. © Foto: Jäger
Das "Tor des Westens" der Gruppe Kunstrepublik steht am Dückerweg.© Foto: Jäger
Kurator Markus Ambach erläuterte das Kunstwerk - hier umringt von den Künstlern. © Foto: Jäger
Das Museum Berggate 69 - das ist zugleich die Adresse in Bochum - erinnert an die Fluxus-Galerie von Inge Baecker, die von 1971 bis 1975 an dieser Stelle existierte. Sehr sehenswert!© Foto: Jäger
Die Autobahnkirche in Bochum-Hamme zeigt eine Fotoserie, die Judith Pappe wiederum von Autobahnkirchen in ganz Deutschland gemacht hat. © Foto Jäger
Das ist Kunst in Dortmund-Schönau unter der Schnettkerbrücke. Die beiden Litfaßsäulen von John Miller zeigen Sehnsuchtsbider, die Arbeit heißt "A False Mirror".© Foto: Jäger
35 Meter lang ist die Arbeit "Polytopos" von Christian Odzuck. Eine große künstlerische Geste, zu sehen unter der gewaltigen Schnettkerbrücke. © Foto: Jäger
Der Künstler Christian Odzuck kommt aus Düsseldorf, © Foto: Jäger
Schilder wie hier über dem Schnettkertal weisen den Weg zu den Kunstwerken. Leider waren viele schon vor der Ausstellungseröffnung beschmiert. © Foto: Jäger
Über den Weg neben der Schnettkerbrücke erreichen die Kunstfreunde die Windkraftanlage der Künstlergruppe "Performance Electrics". © Foto: Jäger
Der Künstler Michael Sieber aus Kassel montierte das Kunstwerk in Dortmund-Barop. Die Masten sind acht Meter hoch. © Foto: Jäger
Kurator Markus Ambach im Gespräch mit dem Künstler Pablo Wendel. © Foto: Jäger
Die spektakuläre Anlage, die tatsächlich Kunststrom produziert, ist ein Symbol der ganzen Schau.© Foto: Jäger

Inge Baeckers Mutter hatte dann die Idee, die Garage des Gebäudekomplexes an der Berggate als Galerie zu nutzen. „Sie hat gesagt: Da hast Du große Wände ohne Fenster“, erinnert sich Inge Baecker. Die Eltern hatten das Haus gebaut, betrieben hier eine Schreinerei und eine Firma für Maschinenbau. Vor dem Eingang, wo heute 100 000 Autos täglich vorbeibrausen, lag ein großer Steingarten. Inge Baecker: „Der einzige Nachteil war, dass es etwas nach Öl roch.“

Über Wolf Vostell – der erste Künstler, den sie vertrat – lernte sie Gerhard Richter und Günter Uecker kennen. Fluxus-Künstler Allan Kaprow bat an der Berggate zu seinem Happening „City Works“, bei dem er neben der damaligen B1 eine Mauer aufstapelte – ziemlich vorausschauend, denkt man an die heutigen Lärmschutzwände. Für die „Bochumer Kunstwochen“, die Baecker im Einkaufszentrum Ruhrpark veranstaltete, schuf er einen gigantischen Reifenturm. In den Jahren danach zog die Galerie in die Bochumer City, nach Köln und 2007 in die Burg von Bad Münstereifel. „Ich habe keine Zeit aufzuhören“, sagt Baecker. Was Fluxus als Kunstrichtung überhaupt ist, kann niemand so gut erklären wie Inge Baecker. „Fluxus ist eine Anti-Haltung gegenüber dem ganzen großen Betrieb“, sagt sie. „Das sind Künstler, die in kleinen Aktionen die Menschen aufrufen, Dinge zu hinterfragen.“ Genau deswegen sei Beuys keineswegs eine Fluxus-Künstler gewesen. „Das Heilversprechen seiner Kunst ist für Fluxus undenkbar.“   

Am 5. Juli im Gespräch
Am Samstag, 5. Juli, um 18 Uhr wird die Schau eröffnet. Um 18.30 Uhr spricht Inge Baecker mit Sepp Hiekisch-Picard vom Kunstmuseum Bochum. Ab 20 Uhr stellt sich der Tanzverein Ruhr-Casino vor.
Schon um 15 Uhr gibt es einen Vortrag über das „Aktionsarchiv Stockholm Tensta“. Ausstellung an der Berggate 69 in Bochum-Hamme bis 7.9.2014, geöffnet nur Donnerstag bis Sonntag 12-18 Uhr. Den blauen Schildern „Schönheit der großen Straße“ folgen.

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