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Unter stürzendem Himmel

Peter Jordan inszeniert "Macbeth"

DORTMUND Die Kleider eines Gefallenen fahren an einer Kette himmelwärts, rasten oben ein, zwischen anderen Hosen und Jacken, die die gesamte Bühne überdachen - schwebende tote Seelen, im harten, kalten Seitenlicht dräuend wie erstarrte Blitze. Dann, zweieinhalb Stunden lang, stürzt dieser Himmel ein.

von Von Tilman Abegg

, 13.03.2011
Unter stürzendem Himmel

Nach dem Mord an Schottenkönig Duncan (Uwe Rohbeck, m.) knicken Macbeth (Björn Gabriel) die Nerven weg - Lady Macbeth (Melanie Lüninghöner) packt mit an.

Kaum eine Pause gönnt Regisseur Peter Jordan Shakespeares "Macbeth"-Figuren im Dortmunder Schauspielhaus. Die Premiere am Samstag war rau, laut, blutig. Dazwischen tönen die Schauspieler die gemeißelte, schwarzweiße Sprache Heiner Müllers mit eigenen Farben, Bühnenbildner Daniel Roskamp tüncht sie mit starken Bildern unter dem variablen Himmels-Konstrukt.Zerütteter Geist Sein junges, schönes Gesicht stülpt Björn Gabriel der Titelrolle über. Sein Macbeth durchlebt keine langsame Metamorphose, sondern wirft sich im Staccato durchs Gemütsmosaik eines von Anfang an zerrütteten Geistes. Im Johlen und Greinen, Trotzen und Trauern zeichnen seine jungen Züge Zerrbilder einer missbrauchten Unschuld. Merkwürdig allerdings sein kaum ausgespielter Moment der Erkenntnis, als er in Macduff seinen Henker begreift. Allmählicher rutscht Melanie Lüninghöner als Lady Macbeth von der ehrgeizigen Gattin in die von Mitschuld Getriebene. Dramatisch vollführt sie enge Spannungs-Pirouetten im Wahn-Monolog kurz vor ihrem Freitod - eines der schönsten und leisesten Bilder des Stücks.Todeskuss Vieles dagegen ist laut und rot. Mit blutbeschmierten Gesichtern zeigen die anderen ihren Rollen, wo der Hammer hängt: Uwe Rohbeck als verbitterter, desillusionierter König Duncan, der sich Macbeths Todeskuss buchstäblich selbst aufdrückt. Jakob Schneiders Banquo (der am lautesten schreit) verfolgt mit gravitätischem Ernst und klarem Blick fürs kommende Unheil den Verfall seines Gefährten Macbeth.Humorvolle Einfälle Einige humorvolle Einfälle wie Sebastian Graf als Gitarre spielender Lenox Rosse unterhalten zwar, kratzen aber auch an der düsteren Atmosphäre, die Sebastian Kuschmann am sichersten stützt: Tiefernst erschüttert, wie vom moralischen Joch beschwert, steht er als Macduff etwas abseits vom unheilvollen Geschehen, ein Bollwerk aus Anklage und Leid. Nach rund 150 Minuten nahmen sich die Zuschauer im auverkauften Haus viel Zeit für den Schlussapplaus.Termine: 16./19./27.3.; Karten: Tel. (02 31) 5 02 72 22.