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Uraufführung im Schauspielhaus: "experiment. prisoner 819 did a bad thing"

DORTMUND Die Zuschauer werden über einen Hinterhof gelotst und gelangen in einen mit Neonlicht kalt beschienenen Raum. Es ist die Bühne des Schauspielhauses, aber ohne Zuschauerraum. Eine glaubhaft triste Kulisse für das Gefängnis in Hermann Schmidt-Rahmers "experiment. prisoner 819 did a bad thing", das am Sonntagabend Uraufführung hatte.

Uraufführung im Schauspielhaus: "experiment. prisoner 819 did a bad thing"

Einer der Gefangenen verweigert die Nahrungsaufnahme.

Zu Beginn ziehen sich alle sieben Akteure komplett aus. Sie werden ihrer Identität beraubt und sind künftig nur noch Teil einer Gruppe - zuerst der Gefangenen-, dann der Wärtergruppe. Das Stück basiert auf dem "Stanford-Prisoner-Experiment" von 1971, bei dem Studenten willkürlich in Gefangene und Wärter unterteilt wurden. Man wollte sehen, wie sich die beiden Gruppen verhielten. Das Experiment musste nach wenigen Tagen abgebrochen werden, weil die Wärter begonnen hatten, die Gefangenen zu foltern.Ein Regie-Kniff, der aufgeht

Hermann Schmidt-Rahmer lässt die beiden Gruppen nie aufeinander treffen. Zuerst spielen die Schauspieler die Sicht der Gefangenen, später die der Wärter. Ein Regie-Kniff, der aufgeht: Er verdeutlicht, dass jeder Charakter viele Gesichter hat, dass er unter Druck je nach den äußeren Gegebenheiten zu diesem oder jenem werden kann. Gefangene wie Wärter sehen zunächst ihren Job als ausgesprochen einfach an. Was soll schon passieren?! Leicht verdientes Geld. Doch der Druck wächst auf beiden Seiten, und die Nerven liegen schließlich blank. Die Schauspieler aus dem Dortmunder Ensemble bringen diesen fortschreitenden Wahnsinn mit viel Körpereinsatz zwar gut, aber nicht in jeder Situation perfekt rüber. Eine Textunsicherheit hier, eine leicht unglaubwürdige Szene dort verrieten, dass der Produktion die eine oder andere zusätzliche Probe gut getan hätte. Ohnehin ist "experiment ..." kein Stück, bei dem Schauspieler glänzen können. Es geht - anders als in dem Film zum selben Thema mit Moritz Bleibtreu - nicht um Einzelschicksale, sondern um die gesamte Gruppe.Intensives Theatererlebnis

Weil die Zuschauer mit auf der Bühne sitzen, bietet ihnen "experiment ..." ein intensiveres Theatererlebnis, als das bei anderen Produktionen der Fall ist. Auch der Termin für die Uraufführung war - vielleicht zufällig - gut gewählt. Das, was am 9. November vor 70 Jahren in Deutschland geschah, hat ebenfalls viel mit Themen wie Gruppenzwang zu tun. Empfehlenswert für alle, die keine Angst vor einem düsteren Thema haben. --------------------------------------- Folgende Schauspieler agieren in "experiment ...": Aleander Gier, Günther K. Harder, Matthias Heße, Patrick Jurowski, Michael Kamp, Jakob Schneider und Andreas Vögler. Weitere Termine: 22. November; 4./26. Dezember; 4./21. Januar, Karten: Tel. 50-27222 http://www.theaterdo.de/  

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