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Festival „Klangvokal“

Verdi-Oper wird ein Fest der schönen Stimmen

Dortmund Verdis frühe Oper „Giovanna D’Arco“ erklingt am Sonntag (27.5.) in einer konzertanten Aufführung beim Festival Klangvokal im Konzerthaus Dortmund. Sopran-Star Marina Rebeka erzählt im Interview, warum die Oper so besonders ist.

Verdi-Oper wird ein Fest der schönen Stimmen

Marina Rebeka singt am Sonntag beim Festival Klangvokal im Konzerthaus Dortmund die Giovanna in Verdis Oper „Giovanna D’Arco“. Foto: Deinats

Verdis Oper „Giovanna D‘Arco“ war nach der Uraufführung 1845 an der Mailänder Scala 170 Jahre in der Versenkung verschwunden, bevor Riccardo Chailly mit dem Werk des 32-jährigen Komponisten 2015 spektakulär die Saison der Scala eröffnet hat.

Am Sonntag erklingt die Oper, deren Libretto auf Schillers „Jungfrau von Orléans“ beruht, konzertant beim Festival „Klangvokal“ im Konzerthaus Dortmund. Sopranstar Marina Rebeka wird die Aufführung als Giovanna zum Fest der schönen Stimmen machen. Julia Gaß sprach mit der 37-jährigen Lettin.

Es ist ihr Debüt als Giovanna. Wie unterscheidet sich die Partie von denen mittlerer und später Verdi-Opern?

Man fühlt, dass diese Musik eigentlich noch Belcanto-Musik ist, sie klingt noch nicht nach Verdi, wie wir ihn aus „Traviata“, „Nabucco“, „Maskenball“ oder „Aida“ kennen. Es gibt wunderbare A-cappella-Sätze mit den anderen Solisten – auch das ist selten bei Verdi. Und die Partien sind ziemlich hoch komponiert – mit vielen Koloraturen und zum Teil sehr dramatisch.

Da kann man als Sopranistin also richtig glänzen und brillieren?

Ja, das ist schön ausgedrückt. Es gibt aber auch wunderbare lyrische Momente.

Was ist die Giovanna für eine Figur? Mehr Kämpferin oder mehr Liebende? Nachtwandlerin oder kriegerische Frau?

Sie ist eine ganz junge Frau. Und eine sehr religiöse Figur, ihre erste Arie ist wie ein Gebet. Sie hat viel Gefühl, ist aber auch eine Kämpferin. Wenn sie punktierte Rhythmen singt, hört man das. Sie ist stark, verliebt und sensitiv. Ein bisschen zerrissen zwischen Liebe und Kampf, sie kann sich nicht entscheiden.

Warum wird diese Oper so selten aufgeführt?

Es ist nicht leicht, drei gute Interpreten für die Hauptrollen zu finden. Auch die Bariton-Partie ist sehr hoch. Die Opernhäuser spielen dann lieber die berühmten Verdi-Opern, die jeder kennt.

Gibt es einen Ohrwurm in der „Giovanna D’Arca“, mit dem jeder nach Hause geht?

Vielleicht der Chor der Dämonen. Meine Arien nicht.

Welche Arien mögen Sie?

Das Duett mit dem Vater im letzten Akt ist wunderschön, und ich liebe das Finale, das fast wie „Lucia di Lammermoor“ klingt.

Die Szenerie in dieser Oper lebt von der Atmosphäre – im Wald oder an der Festung. Muss man das Fehlen der Bilder mit vielen Farben in der Stimme ausgleichen?

Konzertant zu singen ist leichter, weil man sich auf den Text und die Musik konzentrieren kann und nicht auf die Bewegungen. Man kann da viel mehr Farben finden. Und für das Publikum ist es schöner, weil es mehr Details hört. Gerade wenn man die Oper zum ersten Mal hört.

Sie singen Mozart und Rossini, Puccini und Barockmusik, aber alle großen Häuser – von der Met bis zur Scala und Covent Garden – reißen sich um sie als Traviata. Besteht nicht die Gefahr, dass man auf eine Rolle festgelegt wird?

Es ist ein Problem, weil die Leute denken, man hat etwas richtig gut gemacht, dann muss man das immer machen. Aber ich will mich entwickeln. Giovanna ist meine 30. Rolle und die vierte von Verdi nach denen in „La Traviata“, „Luisa Miller“ und „Simon Boccanegra“. Ich studiere in jeder Saison drei neue Rollen ein, und mit jeder Rolle kommt etwas Neues für meine Technik und Persönlichkeit. Die Traviata ist meine Signierrolle, ich habe sie in 16 verschiedenen Inszenierungen gesungen. Aber ich kann immer noch neue Farben für diese Partie finden.

Im Februar sind Sie in Paris für Anna Netrebko als Traviata an der Seite von Placido Domingo als Germont eingesprungen. Waren Sie da besonders nervös?

Nein, ich hatte dort schon fünf Vorstellungen vorher, Anna drei. Ich habe die letzte Vorstellung von ihr übernommen. Und mit Placido hatte ich vorher schon viel gearbeitet. Es gab aber Zuschauer, die geschimpft haben, sie hätten Karten für Anna gekauft und jetzt käme sie nicht. Das ist anstrengend.

Sie sind Lettin wie Kristine Opolais. Ist Lettland ein Sängerland?

Alle Letten singen und tanzen. Wir haben tolle Gesangs- und Tanzfestivals. In diesem Jahr feiern wir „100 Jahre Lettland“, da wird es einen Chor mit 11.000 Menschen geben, die alle zusammen singen. Etwas Ähnliches gibt es mit Tänzern. Oper ist ganz beliebt in Lettland, und wir haben auch gute Dirigenten wie Mariss Jansons oder Andris Nelsons und Super-Geigenspieler wie Baiba Skride und Gidon Kremer.

Sie sind in Riga in eine Musikschule für hochbegabte Jugendliche gegangen, auf der Nelsons auch war. Kennen Sie ihn noch aus der Schule?

Nein, er war ein bisschen früher an der Schule als ich. Er war schon in der Academy, als ich noch in der Schule war.

Mit ihrem Ex-Ehemann, Tenor Dmytro Popow, haben Sie eine siebenjährige Tochter. Singt die auch schon?

Sie macht alles: Ballett, sie malt, sie singt. Ich weiß nicht, was sie später mal werden wird, aber es ist sehr wichtig, einem Kind alles zu geben – auch eine normale Ausbildung mit Mathematik und so.

Es gibt noch Karten für die Aufführung von Verdis „Giovanna D‘Arco“ am Sonntag (27.5.), 18 Uhr, im Konzerthaus Dortmund unter Tel. (01806) 570070 oder hier.

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