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Jankel Adler zeigt seine melancholische Seele

Von-der-Heydt-Museum

Das Von-der-Heydt-Museum erinnert an den vergessenen Maler Jankel Adler und präsentiert seine Werke im Kontext der Moderne. Es ist eine spannende Schau.

Wuppertal

von Britta Helmbold

, 12.04.2018
Jankel Adler zeigt seine melancholische Seele

Im Selbstporträt „Der Artist“ präsentiert sich Jankel Adler als verletzlich-melancholischer Künstler. Foto: VG Bild-Kunst Bonn, 2018

Jankel Adler gehört zu den Künstlern, deren Karrieren die Nazis ein jähes Ende setzten. Seine Bilder galten als „entartet“, wurden aus den Museen entfernt – und aus dem Gedächtnis. Das Wuppertaler Von-der-Heydt-Museum rückt den polnisch-jüdischen Maler ab diesem Sonntag wieder in den Mittelpunkt. Es ist die erste Retrospektive seit 30 Jahren.

Mehr als 200 Gemälde und Zeichnungen

Die Ausstellung „Jankel Adler und die Avantgarde – Chagall/Dix/Klee/Picasso“ zeigt mit mehr als 200 Gemälden und Zeichnungen, rund die Hälfte davon stammt von Adler, den Künstler im internationalen Kontext, im Dialog mit seinen Kollegen.

Denn Adler war befreundet mit Malern wie Otto Dix und Paul Klee sowie der aus Wuppertal stammenden Dichterin Else Lasker-Schüler, die er 1924 auf einem Gemälde, das sie im „Romanischen Café“ in Berlin zeigt, verewigt hat.

Start des Rundgangs ist in Wuppertal


Bereits vor dem Ersten Weltkrieg weilte Adler in Wuppertal, schloss sich der dortigen Künstlergruppe an und lernte den Expressionismus sowie Werke von Picasso und Co. in Ausstellungen kennen. Das früheste bekannte Gemälde von ihm ist in der chronologisch aufbereiteten Schau zu sehen: „Stillleben mit Wasserkessel“ von 1912/13 hat er seinem Wuppertaler Lehrer Gustav Wiethüchter gewidmet.

Nach einem kurzen Zwischenspiel bei der Gruppe „Jung Jiddisch“ in Lodz, die Marc Chagall zum Vorbild hatte, kehrt Adler nach Wuppertal zurück. Er knüpft Kontakte ins Rheinland – zu den Künstlergruppen „Junges Rheinland“ und „Kölner Progressive“. In seiner Malerei wird der Expressionismus zunehmend vom Konstruktivismus abgelöst.

Ein verletzlicher Künstler

So verwendet er im Bild „Paar“ (1921) kubistische Elemente. Während sich Otto Dix im Gemälde „An die Schönheit“ in den 1920er-Jahren als Dandy porträtiert, inszeniert sich Adler im Bild „Der Artist“ als verletzlich-melancholischer Künstler. Denn schon Mitte der 20er war er antisemitischen Angriffen ausgesetzt.

Im Rheinland hatte Adler da schon einen Namen, wurde von Sammlern gekauft und porträtierte sie. Seine Gemälde wirken freskohaft, denn oft grundierte er die Leinwand mit Gips, mischte Sand unter die Farben. Dank Paul Klee, der seit 1931 an der Düsseldorfer Kunstakademie lehrte, erhielt er dort ein Atelier. Klee inspirierte Adler mit Farbklängen und zum freien Umgang mit der freien Linie. Adlers Arbeiten entwickeln sich in Richtung Abstraktion, doch auf das Figurative hat er nie verzichtet. Der Mensch stand immer im Mittelpunkt seiner Kunst.

Flucht nach Paris

1933 flieht er nach Paris, verkehrt im legendären „Atelier 17“ des englischen Grafikers Stanley William Hayter, der in den 1930er-Jahren Picasso assistierte. Dort lernt er das grafische Werk des Künstlers, der unter anderem an „Guernica“ arbeitete, kennen. Die abstraktere Bildsprache mit verschlungenen Linien, Deformationen und Fragmentierungen spiegelt sich in Adlers Werk wider.

Der Ausstellungsrundgang endet mit Arbeiten, die im britischem Exil entstanden, ab 1941 in Glasgow und ab 1943 in London. In seinen letzten Werken kombiniert der 1949 mit 53 Jahren an Herzversagen gestorbene Künstler postkubistische und surrealistische Elemente.

Er setzte sich mit der Gewalt des Krieges auseinander, das Gemälde „Die Verstümmelten“ zeugt davon. Aber Adler verstand sich auch als Vermittler der europäischen Moderne. Seinen Einfluss auf jüngere Künstler belegen Gemälde von Robert Colquhoun und Robert MacBryde in der sehenswerten Schau.

Von-der-Heydt-Museum in Wuppertal: „Jankel Adler und die Avantgarde – Chagall/Dix/Klee/Picasso“, 15.4. (Eröffnung um 11.30 Uhr) bis 12.8., Turmhof 8, Di-So 11-18 Uhr (außer 1.5.), Do bis 20 Uhr (Christi Himmelfahrt und Fronleichnam bis 18 Uhr), Eintritt: 12 Euro, Katalog: 25 Euro.
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