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„Vor Sonnenaufgang“ leiden die Menschen

Mülheimer Theatertage „Stücke“

Ewald Palmetshofer hat Gerhart Hauptmanns Drama „Vor Sonnenaufgang“ in die Gegenwart verlegt. Aber auch im Heute kriselt es noch, wie beim „Stücke“-Festivalstart in Mülheim zu sehen war.

von Britta Helmbold

Mülheim

, 13.05.2018
„Vor Sonnenaufgang“ leiden die Menschen

Ehe-Krise: Steffen Höld und Cathrin StörmerThen © THEN

Mit einem klassischen Dialogdrama ist der Dramatiker-Wettbewerb „Stücke“ am Samstag in der Mülheimer Stadthalle gestartet. Ewald Palmetshofer hat Gerhart Hauptmanns Dramendebüt „Vor Sonnenaufgang“ (1889) überschrieben und in unsere Zeit übertragen.

Nach der deutschen Erstaufführung vom Deutschen Theater in Berlin in der vergangenen Woche bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen war nun in Mülheim Nora Schlockers Uraufführungs-Inszenierung vom Theater Basel zu sehen.

Mittelständische Unternehmerfamilie

Aus der zu Wohlstand gekommenen Bauernfamilie ist eine mittelständische Unternehmerfamilie geworden, Hauptmans Figuren sind auf das Kernpersonal reduziert. Aber auch in neoliberalen Zeiten macht der ökonomisch-gesellschaftliche Wandel den Menschen zu schaffen.

Sie leiden an Vereinsamung, Versagungsangst und Depression, kompensieren die Verunsicherung mit Alkohol. Der Juniorchef flüchtet sich in rechten Populismus. Sein überraschend auftauchender Studienfreund Loth, ein linker Journalist, plagt die Spaltung der Gesellschaft, er hält noch an Sozialstaat und Solidarität fest.

Poetisch-rhythmisierte Sprache

So gelingt es Palmetshofer, anhand von individuellen Krisen gesellschaftliche Zusammenhänge sichtbar zu machen. Der Autor erzählt in leicht umgestellter Umgangssprache, arbeitet poetisch-rhythmisierend mit abgebrochenen Sätzen und Pausen, lässt seine Figuren sich immer wieder mit Namen anreden.

Unspektakulär, ganz auf ihre sieben Schauspieler vertrauend zeigt Regisseurin Schlocker, wie die bürgerliche Fassade zerbricht. Zunächst sind es Nickeligkeiten, die die Familie austauscht, die später in heftige Streitereien übergehen. Auch Tochter Helene ist kein Liebesglück gegönnt, Journalist Loth schleicht sich davon. Und am Ende scheint die aufgehende Sonne auf das desaströse Beziehungsgeflecht.

Ibrahim Amirs schwarz-humorige Integrationskomödie „Homohalal“ ist in die Inszenierung des Staatsschauspiel Dresdens am 19.5.2018 um 19.30 Uhr in der Stadthalle in Mülheim zu sehen. Karten: Tel. (0208)960960. www.stuecke.de