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„Wir müssen hier raus“

Schauspielhaus Bochum

Was macht Nestroy im Ruhrgebiet? Das fragen sich im Schauspielhaus Bochum sogar die Schauspieler. Und feiern sich zum Abschied selbst.

Bochum

, 27.05.2018
„Wir müssen hier raus“

Noch lassen sich die Krähwinkler einschüchtern (v.l.): Kristina Peters, Michael Kamp, Martin Weigel, Dennis Herrmann und André Benndorff Foto: Aurin

Wenn es um die letzte Inszenierung geht, bevor ein Intendant, bevor ein Ensemble das Haus verlässt, kann man ruhig über die Stränge schlagen. Und so nutzen Regisseur Milan Peschel und sein Ensemble Nestroys „Freiheit in Krähwinkel“, um über die Freiheit nachzudenken, auch über die Freiheit des Schauspielers.

Aus der Revolutionsposse machen sie einen witzigen, anarchischen, auch nachdenklichen Abend mit vielen Verweisen auf die fast 100-jährige Geschichte des Bochumer Schauspielhauses. Und auf den, der jetzt kommt.

Viel Spaß

Saladin Schmitt, Zadek, Peymann, Steckel, Haußmann – an sie erinnert das Bühnenbild mit Wänden, die Plakate aus wichtigen Inszenierungen überdimensional zeigen. Ulrich Wildgruber als Hamlet und Rosel Zech als Hedda Gabler schauen ernst auf die Szenerie.

Könnte nicht „Viel Spaß“ das neue Spielzeitmotto werden, fragt Zeitungsredakteur Ultra, fragt Schauspielerin Kristina Peters. Die Zuschauer, die Leander Haußmanns Intendanz und dessen folgenreiches Motto kennen, lachen. Überhaupt ist es auch ein Abend für diejenigen, die seit Langem die mitunter glorreichen Zeiten des Bochumer Theaters miterleben.

„Schauspieler verblöden auf Zeit“

„Veel plezier“ haben sie das Motto schon mal für Johan Simons ins Niederländische übersetzt. Der Intendant, der im Sommer das Haus, aber fast niemanden aus dem Ensemble übernimmt, ist immer präsent. Freiheit, das heißt auch, freischaffend sein. „Ab Juli“, konkretisiert Roland Riebeling. Das Lied „Wir müssen hier raus“ von Ton Steine Scherben rahmt passend den Abend ein.

Kristina Peters sagt auch: „Schauspieler verblöden auf Zeit.“ Schuld seien die Regisseure, die sie einschränken. Das muss bei Milan Peschel anders sein. Er ist Regisseur, aber auch Schauspieler („Der Hauptmann“) und lässt den Schauspielern viel Freiheit.

Unzählige Ideen

So entwickelt sich im Laufe des zweieinhalbstündigen Abends mit großer Freude am Spiel Nestroys Geschichte der Krähwinkler, die mühsam vom Journalisten Ultra zur Revolution überredet werden müssen und dann nicht viel damit anfangen können. Zugleich aber ist Zeit für unzählige Ideen wie die Slapstickeinlage von Mark Oliver Bögel als Bürgermeister, für Musik von Deep Purple oder T. Rex und für die Lieblingsmonologe des Ensembles.

Brecht, Schiller, Heiner Müller und viele mehr haben so ihren Auftritt. „Im Theater ist alles erlaubt“, so hat das Ensemble gleich zu Beginn behauptet. Am Ende wird es sentimental. Minutenlang applaudieren die Zuschauer ihren Schauspielern. Die feiern noch auf der Bühne mit einem Bier und nehmen Abschied. Sie müssen hier raus.

Termine: 30.5., 8./10./25./ 30.6., 7./14.7.; Karten: Tel. (0234) 33335555. www.schauspielhausbochum.de