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Ruhrtriennale

Wegen Loveparade: Duisburg lehnt Tunnel-Kunstwerk ab

DUISBURG Die Raumskulptur "Totlast" des bekannten Künstlers Gregor Schneider im Lehmbruck Museum Duisburg sollte ein Ausstellungs-Höhepunkt der Ruhrtriennale werden. Sören Link, Duisburger Oberbürgermeister, hat entschieden, dieses Kunstwerk in Duisburg nicht zu zeigen. Das stößt auch auf Widerstand.

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Auch in der Installation "Kinderzimmer (No.2)" von Gregor Schneider gehen die Besucher durch einen engen Tunnel. Die Arbeit ist zurzeit bei der Quadriennale in der Kunstsammlung Düsseldorf zu sehen.

Der Künstler Gregor Schneider.

"Die Wunden der Loveparade sind noch nicht geschlossen. Duisburg ist noch nicht reif für ein Kunstwerk, dem Verwirrungs- und Paniksituationen immanent sind, welches mit dem Moment der Orientierungslosigkeit spielt", schreibt Link in der offiziellen Stellungnahme.

Der 45-jährigeGregor Schneider wollte in das Museum eine begehbare Röhre mit Winkeln von 45 bis 90 Grad einbauen. Die Röhre sollte nach draußen in den Museumspark führen.

"Ein Fall von Zensur"

"Sie hätte einen Durchmesser von 2,20 Metern gehabt", erklärt Hendrik von Boxberg, Sprecher der Ruhrtriennale: Schneider habe die Arbeit speziell für Duisburg und das Museum konzipiert. "An die Loveparade hat er genauso wenig gedacht wie wir. Das Kunstwerk ist auch zu abstrakt, als dass man es auf diese Katastrophe beziehen kann", so von Boxberg.

"Affron gegen die Freiheit der Kunst"

"Die Absage ist ein Affront gegen die Freiheit der Kunst und gegen die Offenheit von Kunsterfahrung", so Heiner Goebbels, Intendant der Ruhrtriennale. Das sei nicht nur ein Fall von Zensur, sondern komme der Zerstörung eines Kunstwerks gleich, weil Schneider die Arbeit für das Lehmbruck-Museum entworfen habe und es nicht verpflanzt werden könne.

Absage kam kurzfristig Die Ruhrtriennale hat die Pläne im November 2013 der Stadt vorgestellt, der Künstler hat alle Vorgaben des Bauordnungsamtes berücksichtigt. Am 23. Juni hat der Duisburger Oberbürgermeister dem Ruhrtriennale-Intendanten am Telefon seine Entscheidung mitgeteilt. Die offizielle Absage kam gestern.

Intensive Kunsterlebnisse Schneider sorgt mit seinen Arbeiten dafür, dass Menschen Kunst intensiv und emotional wahrnehmen. Sein Hauptwerk, "Totes Haus u r" gehört zu den wichtigsten Raumkunstwerken der Gegenwart: 2001 bekam er dafür den Goldenen Löwen der Biennale Venedig.

In Düsseldorf ist zurzeit seine Rauminstallation "Kinderzimmer" bei der Quadriennale zu sehen, im Düsseldorfer K 21 wurde vor einigen Jahren die "Weiße Folter" heiß diskutiert, und in die Halle Kalk des Kölner Schauspiels baut Schneider gerade eine Geisterbahn aus Badezimmern ein.

"Abseitige Unterwelt" "Ich freue mich, das Museum samt Park umzugraben. Uns im Museum in eine ,abseitige Unterwelt' zu führen. Ganz nah den vergessenen Gräbern tief in der Erde werden wir plötzlich wieder auf die Welt geworfen", wird Schneider im Programmheft der Ruhrtriennale mit einem Brief an Heiner Goebbels zitiert.

Das ist bildlich gemeint, graben - und schon gar nicht nach Gräbern - wollte der Künstler nicht.

Die Ruhrtriennale prüft nun, ob sie eine andere Arbeit von Schneider in einer anderen Stadt zeigen kann. "Dieser Künstler ist für die Programmatik der Ruhrtriennale wichtig", so von Boxberg. In den nächsten zwei Wochen würde das entschieden.Video-Rundgang durch Gregor Schneiders "Haus u r":  

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Auch in der Installation "Kinderzimmer (No.2)" von Gregor Schneider gehen die Besucher durch einen engen Tunnel. Die Arbeit ist zurzeit bei der Quadriennale in der Kunstsammlung Düsseldorf zu sehen.

Der Künstler Gregor Schneider.

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