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"Werwölfe" im Trümmerland

DÜSSELDORF Der Film bestach durch Atmosphäre. Fiebriger Rhythmus, expressive Künstlichkeit der Bildsprache, albtraumbizarre, nachtschwarze Stimmung. Die Story von Lars von Triers "Europa" war kruder Humbug mit Anleihen bei Viscontis "Die Verdammten" oder Rossellinis "Germania anno zero".

"Werwölfe" im Trümmerland

Ihre Figuren wirken wie Gespenster: Ilja Niederkirchner (v.l.), Nadine Geyersbach, Pierre Siegenthaler.

Wir sind im Trümmer-Deutschland der Stunde Null. Eine Industriellenfamilie leitet das Eisenbahn-Unternehmen 'Zentropa'. Ein Amerikaner heuert als Schlafwagenschaffner an und wird zum Spielball von Nazi-Partisanen ("Werwölfe"). Beigemischt noch Vermessungen der deutschen Volksseele (Kadavergehorsam, Pedanterie, Schuldverdrängung) und Seitenhiebe auf die Kriegsgewinnler der Wirtschaft.

Mangelnde Ausdrucksmittel

Am Düsseldorfer Schauspielhaus hat jetzt Sebastian Baumgarten die Uraufführung von "Europa" auf die Bühne gebracht. Wie das Programmheft einräumt, ist Filmsprache nicht aufs Theater übertragbar. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer: Montage, Kamera, Szenenbild fallen als Ausdrucksmittel weg. Dieser Qualität beraubt, ist "Europa" nur ein Torso: hemdsärmelige Geschichte, Küchenpsychologie, fußlahmer Thriller.

Mit Videos, Musik und Sound müht sich Baumgarten, einen hypnotisierenden Sog wie der Film zu kreieren. Vergeblich. Bühnenbild, Kostüme (Barock bis Basecap) und das hysterische Spiel der Darsteller tendieren zu surrealem Kasperletheater.

Kaum Applaus

Dienstprüfung mit Beamten im schwarzen Regenmantel, die nach SS aussehen und ständig Wasser spucken. Der US-Colonel nuschelt seine Dialoge durch eine fette Havanna. Ein "Volksempfänger"-Radio hat Beine. Blonde femme fatale, pomadige Tunte, mörderische Zwillinge mit Maske, verwirrter amerikanischer Schaffner. Gespenster in einem Nazi-Schwank, der uns nichts zu sagen hat. Magerer Applaus.

 

Karten Tel. (0211) 36 99 11.

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