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Gustav-Lübcke Museum

Wiedereröffnung mit "ver-rückter" Kunst

Hamm Links herum thronen Mammut-Stoßzähne, rechter Hand glänzt edles Porzellan. Das Gustav-Lübcke-Museum in Hamm hat es nach seiner anderthalbjährigen Auffrischungskur geschafft, 13 000 Jahre Kunst- und Kulturgeschichte in nur einem Ausstellungsraum zu vereinen.

Wiedereröffnung mit "ver-rückter" Kunst

18. Jahrhundert trifft auf 90er-Jahre: Die Abteilung für Angewandte Kunst präsentiert unter dem Motto „Ver-rückt“ Stühle aus verschiedenen Epochen. Der goldene Stuhl in der Bildmitte wurde um das Jahr 1790 gebaut.

Großformatige Fotos, kürzere Texte, viel zum Anfassen und Ausprobieren – alles ist jetzt in der komplett auf links gezogenen Abteilung für Archäologie und Angewandte Kunst ein bisschen aufgepeppter.

„Die Exponate sind nicht mehr so abstrakt“, sagt Museumsdirektorin Friederike Daugelat zum Beispiel über die archäologische Abteilung, deren Ausstellungsfläche verdoppelt wurde.

Leichenbrand analysiert

Insbesondere nah am Menschen will sich das Museum bei der schrittweisen Neueröffnung seiner zwei Abteilungen zeigen. Das äußert sich im Abschnitt für Archäologie zum Beispiel darin, dass Kuratorin Susanne Birker alte Handys neben uralte Hackebeile stellt. Hier zeigt sie uns die Entwicklung beider Instrumente: Vom stumpfen zum spitzen Beil und vom großen Handy zum kleinen Smartphone.

Das Museum ließ darüber hinaus Leichenbrand in alten Urnen analysieren und schuf aus den gewonnen Daten die Silhouetten der Urzeit-Menschen. Kinder können jetzt Dinge anfassen, den Backenzahn eines Mammuts etwa. Etwas kitschig wird es am Ende des archäologischen Trakts beim Elch-Geweih-Ringewerfen. Den Kindern wird‘s wohl Spaß machen.

Vom Elch-Geweih geht‘s fix ein paar Schritte weiter in die Welt der ästhetischen Gebrauchsgegenstände. Die Abteilung für Angewandte Kunst wurde jetzt auf ihren Kern konzentriert. Museum-Namensgeber Gustav Lübcke hat hier eine kleine Ecke erhalten.

Das Silber des einfachen Mannes

Man erfährt, dass Zinn das Silber des einfachen Mannes war und sieht, wie fürstlich einst die High Society speiste - nämlich auf Porzellan. Für Kenner und Liebhaber von Tässchen, Tellern und Tabletts sicherlich hochinteressant, für Familien mit Kindern nur ganz nett.

Aufgehübscht wird das Ganze durch Arbeiten zeitgenössischer Künstler, die sich Ausstellungsobjekte als Ausgangspunkt für eigene Werke nahmen.

Stühle-Kabinett

Bunt wie Bonbons ist dagegen das Stühle-Kabinett im hinteren Teil des Saals. Vom Stapelstuhl aus den 60ern bis zum seidenbezogenen Sessel von 1790 zeigt es schrägste Auflageflächen für die vier Buchstaben.

Ein Hingucker ist das schwarze Ungetüm, das ausschaut wie ein schlechter Folterstuhl. „Der ist von einem Architekten“, sagt Kuratorin Diana Lenz-Weber augenzwinkernd.

Möbelgruppen

Als „protzig und plump“ bezeichnet sie dagegen die Möbelgruppen aus dem Historismus, die zusammen mit schnörkeligen Jugendstil- und feinen Biedermeier-Möbeln den Abschluss der Ausstellung bilden.

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