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Wiener schufen außergewöhnliche Aura

DORTMUND Dass die Wiener Philharmoniker und Georges Prêtre ihr Konzert mit Bizets und Mahlers ersten Sinfonien, das vor einer Woche im Wiener Musikvereinssaal so umjubelt wurde, im Dortmunder Konzerthaus noch steigern könnten, hätte man sich vor diesem Samstagabend, der die Aura des Außergewöhnlichen hatte, kaum vorstellen können.

Wiener schufen außergewöhnliche Aura

Die Wiener Philharmoniker mit Dirigent Georges Prêtre im Konzerthaus Dortmund. Pollkläsener

Mahlers 1. Sinfonie gab der Taktstock-Magier mit dem riesigen Charisma in Dortmund eine noch ausgefeiltere, feinfühligere Klangregie. Aus dem Nichts zauberte Prêtre mit den Fingerspitzen die flirrenden Streicherflageoletts des Beginns in den Raum. So zart, so visionär, wie eine Geburt der Musik, klang das, was Ligeti als "Assoziation eines leeren Raums" bezeichnet hat. Vogelstimmen, Ländler- und Walzeranklänge, die grotesken Collagen von Trauermarsch und Wienerlied - all das charakterisierte Prêtre scharf und bündelte es in einem titanhaften Finale, das vor Energie überquoll.

  Die Wiener Philharmoniker gelten nicht nur deshalb als das beste Orchester der Welt, weil sie jenen legendären Streicherklang und exzellente Bläsergruppen haben. Sondern auch, weil sie mit dem Raum spielen, sich dynamisch perfekt an ihn anpassen und - wie im Trauermarsch der Mahler-Sinfonie - die Musik, Prêtres minimalistischen Gesten folgend, fast verschwinden lassen können.

Den Taktstock legte der 83-Jährige in den langsamen Sätzen grundsätzlich zur Seite, dirigierte nur mit den Fingerspitzen - auch in der 1. Sinfonie von Bizet, dem Komponist von "Carmen" und der "Perlenfischer". Der Perlenfischer war Prêtre, der aus dem Werk des 17-Jährigen so viel Frische, freudige Helligkeit und Esprit klingen ließ und die Musiker dabei nur mit einem Augenaufschlag, beschwörenden Blicken, einem Lächeln oder winzigem Fingerzeig perfekt kontrollierte.

Neujahrsprogramm

Das Vergnügen, den Wienern zuzuhören, war ebenso groß wie das, Prêtre zuzuschauen. Auch in den Zugaben aus dem gemeinsamen Neujahrsprogramm 2008. Im Raum schweben ließen die Wiener "Die Libelle", eine Polka von Josef Strauß. Und die mitreißende Stimmung, die man Neujahr dann im Musikvereinssaal im Fernsehen sehen wird, brachten sie in Johann Strauß' "Tritsch Tratsch Polka" in den Saal.

Auf der Rangliste der besten Orchester Europas stehen die Wiener ganz oben - gefolgt vom Concertgebouworkest Amsterdam. Und das kommt am Mittwoch mit Anne-Sophie Mutter nach Dortmund.

  

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