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"Wir schaffen uns mit Musik eine Welt"

DORTMUND Er ist eine Ausnahme unter den Dirigenten: Enoch zu Guttenberg ist ein Bruckner-Exeget, herausragender Interpret großer Oratorien, bekannt für eine hochsensible Art des Musizierens. Julia Gaß hat mit ihm gessprochen.

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Enoch zu Guttenberg ist auch Leiter der Herrenchiemsee-Festspiele.

Enoch zu Guttenberg ist auch Leiter der Herrenchiemsee-Festspiele.

 Am Dienstag (27.11., 20 Uhr) dirigiert er im Dortmunder Konzerthaus das Requiem von Verdi. Julia Gaß sprach mit ihm. Sie sagen "Ich kann nur das dirigieren, was ich wirklich verstehe und was mich emotionalisiert".

Guttenberg: Mich interessiert das Psychogramm von Verdi, das er hier zeigt. Das Requiem klingt oft so hoffnungslos, dass man spürt, dass Verdi keinen Glauben mehr hatte. Das Libera ist fast geschrieen, das Sanctus zynisch. Gleichzeitig konnte Verdi aber seine Herkunft nicht verleugnen.

Sie haben gesagt: "Im Kopf bin ich Atheist, im Herz tief gläubig. Dirigieren Sie das Verdi-Requiem mehr mit Bauch oder Herz?

Guttenberg: Mit Bauch und Herz. Oft wird gesagt, Verdis Requiem sei seine beste Oper. Das ist Quatsch. An dem Werk interessiert mich am meisten Verdi, der von vielen als Atheist gesehen wurde.

 Sie dirigieren viele geistliche Werke in Konzerthäusern. Muss man Kirchenmusik mehr aus den Kirchen zu den Menschen bringen?

Guttenberg: Ich möchte die Menschen auch im Konzertsaal spirituell packen. Dann haben wir mehr geleistet als in einer Kirche, wo die Stimmung automatisch da ist.

Ihr Orchester, die KlangVerwaltung, ist eines der besten in Deutschland. Warum ein so beamtenmäßiger Name?

Guttenberg: Der Name so verrückt, dass man ihn sich merkt und es gibt Beamtenorchester, die Gefahr laufen, dass sich Routine einschleicht. Wir wollten uns so nennen, aber das Gegenteil machen. Und es gibt in der Bibel das Gleichnis von den drei           Knechten, die jeder ein Talent bekommen. Der erste versäuft es, der zweite vergräbt es. Der dritte sagt "Ich habe gearbeitet mit dem Talent und gebe es dreifach zurück". Aus diesem Knecht wird der Verwalter. Als Orchester haben wir etwas in der Hand, was uns nicht gehört: die Musik. Wir verwalten sie im Dienst der Partitur.

Sie haben den Bund für Umwelt und Naturschutz mitbegründet, u.a. dafür das Bundesverdienstkreuz erhalten.

Guttenberg: Die Welt ist dabei, kaputt zu gehen. Mit Musik können wir eine andere Welt schaffen, in der sich die Menschen ein paar Stunden gut aufgehoben fühlen.

 Karten: Tel. (0231) 22 69 62 22.

  

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