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Zauberer mit Worten

DORTMUND Über eine halbe Stunde lang sprach Rafik Schami gegen den Papst und die reformunfähige katholische Kirche, die Rückständigkeit der arabischen Welt und den chinesischen Turbo-Kapitalismus. Und die Zuhörer nickten, lachten, staunten.

von Von Katrin Pinetzki

, 09.12.2007
Zauberer mit Worten

Nelly-Sachs-Preisträger Rafik Schami im Gespräch mit Dortmunds Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer, der dem aus Syrien stammenden Autor gestern den mit 15 000 Euro dotierten Preis verlieh.

Er ist eben ein Zauberer mit Worten; einer, der Politik und Poesie nicht voneinander trennen mag - wohl einer der Gründe für seinen Erfolg. In seiner Dankesrede transportierte Rafik Schami, der gestern den mit 15 000 Euro dotierten Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund erhielt, scharfe Kritik im Mantel des Erzählers. Der Schriftsteller floh 1971 vor der Unfreiheit aus Syrien und schreibt seitdem auf deutsch. "Deutsch habe ich schnell gelernt, aber ich beherrsche die Sprache nicht. Ich liebe sie", sagte er. Sprache ist für ihn ein Schlüssel in seinem engagierten Kampf für Frieden und Meinungsfreiheit.

Mängel des Arabischen

Die Rückständigkeit der arabischen Welt etwa erkenne man an ihrer Sprache: "Sie zeigt große Mängel am Wortschatz der Moderne und an Buchstaben, die ihr erlauben würden, die neuen Wörter aufzuschreiben", sagte er. Die "Diktatur der Sippe" deformiere die Menschen und zerstöre, lähme das Arabische.        

Kritik am Katholizismus

Als "kulturelle Katastrophe" empfindet er, dass in ganz Arabien jährlich nur 35 (überwiegend religiöse) Bücher pro Million Einwohner gedruckt werden - in Deutschland seien es 700. Heranwachsende Generationen würden durch Zensur und Feindseligkeit gegenüber dem Medium Buch mehr und mehr zu modernen Analphabeten.

Um die Sprache drehte sich auch seine Kritik am Katholizismus. Statt etwa die Gleichberechtigung von Mann und Frau in Angriff zu nehmen, diskutiere der Vatikan über einen lateinischen Gottesdienst "und begibt sich damit in die Reihen der jüdischen und muslimischen Fundamentalisten", die Gott als Araber bzw. Hebräer sehen, so Schami.

 

 

 

          

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