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Theaterfestival "Stücke"

Zickenkrieg und Unmut auf dem Laufsteg

MÜLHEIM Einen Szenenreigen über das Unbehagen an den gesellschaftlichen Verhältnissen haben Claudia Grehn und Darja Stocker in "Reicht es nicht zu sagen ich will leben" verarbeitet. Für die Koproduktion vom DNT Weimar und dem Centraltheater Leipzig (dort läuft das Stück unter dem prägnanteren Titel "Zorn und Zärtlichkeit") haben die beiden Autorinnen Menschen in diesen zwei Städten befragt.

Zickenkrieg und Unmut auf dem Laufsteg

Nora Schlocker hat den Szenenreigen inszeniert.

Entstanden ist kein Doku-Drama, denn in ihrer Stückentwicklung haben sie ihre Recherche in eine verdichtete Kunstsprache gebracht. Bei den Mülheimer "Stücken" war die Inszenierung von Nora Schlocker Montag im Ringlokschuppen zu sehen.

Momente von großer Intensität Einen Laufsteg für die Unmuts-Bekundigungen hat Steffi Wurster gebaut und das Publikum sitzt wie bei einer Modenschau in zwei Reihen entlang der Spielfläche. In der wenig inspirierten Regie von Schlocker stehen sich meist zwei Figuren in den schnell wechselnden Dialogszenen gegenüber. Die sechs Schauspieler treten in 24 Rollen auf und ihrem engagierten Spiel ist es zu verdanken, dass Momente von großer Intensität entstehen, die aus den wenig entwickelten Charakteren mehr als bloße Träger einer Weltsicht machen.

Nur zu leben, reicht nicht Da sind die zwei Schülerinnen, die sich einen prächtigen Zickenkrieg liefern, da ist ein Hartz-IVler, der seine Zeit mit Klagen füllt, ein Gymnasiast erschlägt aus Frust einen Ausländer, eine Altenpflegerin ist mit ihren Arbeitsbedingungen unzufrieden, eine arbeitslose Akademikerin kümmert sich um Asylbewerber. Verbindendes Element der Splitter über Arbeits- und Perspektivlosigkeit, Asylproblematik und neue Armut ist ziviler Ungehorsam, und am Ende geht's zur Demonstration. Nur zu leben reicht eben nicht, Widerstand zu leisten ist schon mal ein Anfang, so die Botschaft des Stücks.

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