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Der ehemalige Spielertrainer von Westfalenligist BSV Schüren, Dimitrios Kalpakidis, wechselt als Spieler zum Ligakonkurrenten Kirchhörder SC. Und es könnte sein, dass er nicht alleine kommt.

Dortmund

, 28.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Dimitrios Kalpakidis stand in zivil hinter der Absperrung. Natürlich würde einer wie er in der Woche nach seinem Abgang als Spielertrainer nicht zu Hause sitzen bleiben. Nur der Ort verwunderte. Während seine alte Liebe, der BSV Schüren, von dem er sich in dieser Woche einvernehmlich getrennt hatte, in Lünen spielte, besuchte Kalpakidis nicht einmal 20 Kilometer weiter den Kirchhörder SC.

Kalpakidis ist „noch zu ehrzeigig“

Das ist zunächst einmal keine Besonderheit, mit Sascha Rammel ist einer von Kalpakidis‘ besten Kumpels Co-Trainer beim KSC, der Sportliche Leiter Jörg Mielers war früher sein direkter Nachbar und so ein Sonntag auf dem Fußballplatz, den kann man auch einfach mal mit der Familie genießen. Doch auf den zweiten Blick entpuppte sich das Treffen während der Westfalenligapartie als - wie man nun weiß erfolgreicher - Annäherungsversuch.

„Wenn man so einen Häuptling dazubekommen kann“, sagt Mielers zwei Tage später und nachdem der Amateurvertrag von Kalpakidis unterzeichnet ist, „dann mussten wir das versuchen.“ Kalpakidis selbst hat in den vergangenen Tage einige Telefonate mit potenziellen Klubs geführt, „aber ganz ehrlich: Für die Kreisliga bin ich noch zu ehrgeizig.“

Das Gefühl in Schüren hat gefehlt

Also schaute er sich den KSC am Sonntag gegen Wiemelhausen selbst an - und was er sah, hat ihm ganz offensichtlich gefallen: „Ich hatte schnell das Gefühl, dass das was werden könnte“, sagt Kalpakidis, bevor er benennt, was ihm bei seiner „alten Liebe Schüren“ gefehlt hat: „Es war auch ganz gut, mal wieder etwas Positives zu hören. Dass ich noch gebraucht werde.“

Es ist dieses Gefühl, dass ihm letztendlich in Schüren gefehlt hat: „So einen Abschied hat er nicht verdient“, sagt Jörg Mielers, „er ist nicht umsonst so erfolgreich gewesen.“ Mit Schüren stieg Kalpakidis aus der Bezirksliga in die Westfalenliga auf. Mielers glaubt deshalb auch, dass Kalpakidis trotz seiner 39 Jahre auch in Schüren noch Einsatzzeiten bekommen hätte, „wenn er nicht selbst der Trainer gewesen wäre. Fußballerisch habe ich absolut keine Bedenken.“

Kirchhörde hat personelle Probleme

Das bestätigt auch Co-Trainer und Freund Sascha Rammel: „Wir brauchten jemanden mit Antrieb und Erfahrung - Dimi ist so einer.“ Hinzu kommt, dass sie in Kirchhörde aktuell immer weniger werden. Neben dem Top-Torjäger Christian Wazian (Schambein) und Spielmacher Rene Richter (Bänderriss) fällt auch Alexander Deiters (Knöchel) aus. Roman Lizenberger ist vor der Saison aus beruflichen Gründen zurückgetreten, Innenverteidiger Moritz Glöckner bald für ein halbes Jahr weg. „Wir hätten im Winter ohnehin reagiert“, sagt Rammel und Mielers fügt hinzu: „Deshalb kann Dimi uns nur gut tun.“

Nach Informationen unserer Redaktion ist Kalpakidis aber nicht der einzige Grüne, der zukünftig in Rot auflaufen will. Denn beim BSV gibt es mindestens einen, vielleicht sogar zwei Spieler, die mitgehen wollen. Bestätigen wollte das am Dienstagabend nachvollziehbarerweise niemand. Zu sensibel ist die Situation drei Tage vor dem Ende der Wechselfrist. Mielers sagt mit Verweis auf den immer noch kleinen Kader nur: „Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir nochmal tätig werden.“ Rammel sagt: „Wenn sich was ergeben sollte, sind wir nicht abgeneigt.“ Und Kalpakidis fügt vielsagend hinzu: „Das müssen die Vereine unter sich klären.“

Kalpakidis trainiert am Dienstagabend in Kirchhörde

Der 39-Jährige will sich mit solchen Dingen nicht mehr herumschlagen, hat stattdessen am Dienstagabend das erste Mal mit der Kirchhörder Mannschaft trainiert: „Mal gucken, wie lange die Kräfte reichen, aber ich bin nicht unfit“, sagt Kalpakidis und blickt voller Vorfreude auf den Auswärtsspielsonntag in Horst-Emscher: „Ich stelle mich zur Verfügung. Den Rest muss der Trainer entscheiden.“

Das ist eine ungewohnte Situation für einen, der in den vergangenen Jahren immer in vorderster Front stand und alle Entscheidungen getroffen hat: „Klar, ist das eine neue Erfahrung für mich, aber das ist gar nicht so verkehrt gerade“, sagt Kalpakidis. Er habe einen neuen Job angefangen und wolle die Kapazitäten dort hineinstecken.

Direktes Duell spukt im Hinterkopf

Das direkte Duell in Schüren am 4. November spukt allerdings schon ein bisschen im Hinterkopf herum. „Das wird natürlich ein emotionales Spiel“, sagt Kalpakidis, „ich bin gespannt, wie die Zuschauer das aufnehmen.“

Standpunkt

Im Herzen ein Grüner
Beim BSV Schüren war für den 39-Jährigen Dimitrios Kalpakidis kein Platz mehr im vor der Saison von ihm selbst verjüngten Kader. Beim Kirchhörder SC haben sie dagegen so wenig Spieler, dass sie händeringend nach solchen suchen, die sofort weiterhelfen. Da trifft es sich gut, dass die Wege in Dortmund kurz sind. Für Kalpakidis ist das Engagement Chance und Pflicht, es in Dortmund auf Westfalenliga-Niveau allen zu zeigen. Und beim KSC entspannt sich die Kadersituation ein wenig. Für den Dortmunder Amateurfußball ist das Ganze eine schöne Geschichte, weil ihm eine seiner schillerndsten Persönlichkeiten erhalten bleibt. Kalpakidis‘ Befürchtung, dass die Schürener Zuschauer wegen seines Wechsels zum KSC vergessen, was er für den Klub geleistet hat, ist hoffentlich unbegründet. Denn auch wenn er jetzt rot-weiß trägt, bleibt eine Ecke seines Herzens immer grün.

Von Daniel Otto
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