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Wer einen echten Torjäger in seinen Reihen hat, kann sich in der Fußball-Bezirksliga glücklich schätzen. Bövinghausen hat sogar gleich drei.

Bövinghausen

, 04.12.2018 / Lesedauer: 5 min

Dennis Gazioch ist ein bisschen traurig. Traurig darüber, dass er nicht mehr aus seinen fußballerischen Fähigkeiten gemacht hat. Er hat in der Westfalenliga für Mengede 08/20 gespielt. „Das war zu wenig“, gibt er offen zu. „Mit seinen Möglichkeiten hätten er mindestens in der Oberliga spielen müssen“, sagt Sven Thormann. Der trainiert den 34-jährigen Gazioch heute beim Bezirksliga-Tabellenführer TuS Bövinghausen. „Zu 50 Prozent hat mein Kopf nicht gestimmt. Zu 50 Prozent stand mir meine familiäre Situation im Weg“, gibt er offen zu. Mehr möchte er nicht verraten.

Gazioch (15 Tore) bildet zusammen mit Sascha Reinholz (14) und Mateus Ayala Cardoniz (12) das treffsicherste Offensivtrio der Bezirksliga 8. Zusammen haben die drei Tornöre 41 der 57 Tore des Spitzenreiters erzielt.

Bövinghauser Trio ist das Nonplusultra

Nur der Verfolger FC Nordkirchen (56) und der BV Viktoria Kirchderne (43) haben in der Liga insgesamt häufiger getroffen als die drei Bövinghauser zusammen. „Man muss einfach zugeben: Die drei sind offensiv das Nonplusultra, das Beste, was die Liga zu bieten hat“, gibt Eichlinghofens Trainer Marc Risse offen zu.

Er hat am eigenen Leib erfahren, welche Qualität die Bövinghauser Sturmreihe hat. Mit 1:4 unterlag sein Team dem Aufsteiger. Diesmal traf Cardoniz einmal und Reinholz nach seiner Einwechslung dreimal. „Der Reinholz war an dem Tag richtig sauer, weil er auf der Bank saß. Ich habe ihm dann drei aufgelegt und er war an dem Tag wieder an der Sonne“, erinnert sich Gazioch.

„Es ist nicht immer einfach. Die sind schon verrückt.“
Sven Thormann, Trainer des TuS Bövinghausen

Er ist seit Jahren mit dem 25-jährigen Reinholz befreundet. Beide sind Bövinghauser Jungs. Der dritte Tornör Cardoniz ist Brasilianer und spielt seit zwei Jahren für den TuS Bövinghausen. „Die beiden Jungs lachen immer. Für mich sind sie wie Brasilianer. Der Verein und das ganze Team sind meine Familie“, sagt der 23-Jährige über seine Sturmkollegen.

Trainer Sven Thormann ist froh darüber, drei solche Offensivkräfte im Team zu haben. „Aber es ist nicht immer einfach mit ihnen. Die sind schon ein bisschen verrückt auf dem Platz“, sagt Thormann. Ab und an meckern sie sich an, sind sauer, wenn sie mal auf der Bank sitzen, oder der Mitspieler ihn übersieht. „Ein bisschen Meckern gehört bei uns einfach dazu. Nach dem Spiel ist aber wieder alles in Ordnung“, sagt Reinholz.

Thormann muss das Aufstellungs-Puzzle lösen

Aber wie bekommt der Coach drei Topstürmer in seiner 4-2-3-1-Grundordnung unter? „Die drei Jungs sehen sich alle als Stürmer. Aber meistens spielt Gazioch ganz vorne, Reinholz auf der zehn und Cardoniz kommt über links“, erklärt er.

Reinholz beschreibt er als „Bilderbuch-Zehner“. Er spiele ganz feine Pässe und habe eine unglaubliche Schusstechnik. „Der schießt mit seinem rechten Fuß alles kaputt“, sagt sein Trainer.

Reinholz ist einfach froh darüber, seinen Kumpel Gazioch an der Seite zu haben. „Der hat mir bestimmt 10 meiner 14 Tore aufgelegt“, sagt er. Und er selbst habe halt schon immer einen eingebauten Torriecher.

Gazioch macht so stark, dass er im Eins-gegen-Eins in dieser Liga kaum zu stoppen ist. „Er ist so schnell und trickreich, das ist unglaublich. Und das mit seinen 34 Jahren und seinen beiden Knien“, sagt Thormann. Seit Jahren plagt sich Gazioch mit Knieproblemen herum. „Das linke Knie sieht aufgrund meines Meniskusschadens nach dem Spiel immer aus wie ein Luftballon“, sagt Gazioch, „meine Mitspieler gehen montags wieder arbeiten, ich kann erst am Mittwoch wieder vernünftig laufen“.

Dann ist da noch der dritte Tornör: der Brasilianer. „Mateus hat definitiv die größte Qualität von uns. Leider fehlen noch ein paar Kleinigkeiten, um aktuell noch höher zu spielen“, weiß Gazioch. Die Kleinigkeiten spricht Thormann an: „Mateus ist ein reiner Straßenfußballer. Er hat nie etwas von Taktik mitbekommen. In dem Bereich muss er zulegen.“

Cardoniz scheint zu höherem berufen zu sein

Ansonsten findet er nur lobende Worte für Cardoniz: „Es gibt nichts, das er nicht kann. Er schießt mit links und rechts, hat ein starkes Kopfballspiel, ist konditionell stark und hat kein Gramm fett an seinem Körper“. Gazioch ist sich sicher, dass sein Sturmkollege das Zeug für die Oberliga hat.

Cardoniz weiß, dass er häufig beobachtet wird, gibt aber einen Treueschwur für den TuS Bövinghausen ab. Er werde definitiv die Saison in Bövinghausen zu Ende spielen, um mit dem Klub in die Landesliga aufzusteigen. Denn so lautet jetzt auch offiziell das Ziel des Klubs. „Wer einmal da oben steht, will da auch nicht mehr weg“, sagt Thormann.

Sein Team hat an den ersten 16 Spieltagen eindrucksvoll bewiesen, warum der Weg zum Titel nur über den Westklub führt. 15 Siege und ein Remis ergeben 46 Punkte. Der einzige Verfolger ist der FC Nordkirchen. Der hat sechs Zähler weniger auf dem Konto. Im direkten Duell verpasste Bövinghausen die mögliche perfekte Bilanz. Nach einer 2:0-Führung endete die Partie noch 2:2.

Für Gazioch ist das wahrscheinlich die letzte Saison, aufgrund seiner Knieprobleme. Und deshalb will er die Spielzeit unbedingt mit dem Aufstieg in die Landesliga beenden. „Wir haben ja gegen jeden Gegner schon einmal gespielt. Deshalb kann ich sagen, dass es realistisch ist, den zweiten Aufstieg in Serie zu feiern“, sagt Dennis Gazioch.

Aber wer gewinnt am Ende die interne Torjägerliste und ist damit der Toptorschütze der gesamten Liga? Dass beide Titel mit einer hohen Wahrscheinlichkeit miteinander verbunden sind, zeigt die aktuelle Platzierung: In der Torjägerliste der Bezirksliga 8 liegen Gazioch, Reinholz und Cardoniz auf den Plätzen eins, zwei und drei. Cardoniz muss sich aber Platz drei mit Nordkirchens Daniel Krüger teilen.

Der Kampf um die Torjägerkrone ist in vollem Gange

„Ich bin mir ziemlich sicher, dass alle drei Jungs den Torjägerpokal gewinnen wollen. Die Jungs haben alle ein ausgeprägtes Ego“, sagt Thormann. „Das stimmt. Unser Ego ist schon ganz gut ausgeprägt. Aber anders geht es nicht als Stürmer“, weiß Gazioch. Trotzdem sieht er zu, dass seine Nebenleute immer gut drauf sind. So haben die drei Goalgetter sich darauf geeinigt, dass derjenige, der am schlechtesten drauf ist und noch nicht getroffen hat, bei einem Elfmeter antreten darf. „So bleiben alle zufrieden“, sagt Gazioch.

Aber wer ist der Stürmer mit dem größten Ego-Level. „Ich kann nur sagen, dass ich die meisten Torvorlagen von uns habe und Mateus die meisten Torschüsse im Spiel abfeuert“, sagt Gazioch. Ein eindeutige Antwort. Er nimmt das seinem Kollegen aber nicht übel. Immerhin hat Cardoniz in der Vorsaison mit 46 Toren den größten Anteil an dem Aufstieg in die Bezirksliga gehabt, Reinholz hatte 20-mal getroffen und Gazioch gar nicht gespielt.

Für ihn wäre es natürlich ein versöhnlicher Abschluss seiner Karriere: der Aufstieg in die Landesliga und der Gewinn der Torjägerliste der Bezirksliga 8. Auch wenn er insgesamt mehr aus sich hätte herausholen können. So würde er aber mit zwei Titeln die Dortmunder Fußballbühne verlassen.

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