Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Die Situation beim Fußball-Westfalenliga-Absteiger SV Brackel ist nicht gerade rosig. Der zweite Abstieg in Serie droht. Der Mannschaft fehlen die Typen.

Dortmund

, 15.03.2019 / Lesedauer: 4 min

Giovanni Schiattarella ist zurzeit nicht gut zu sprechen auf sein Team. Nach dem überraschenden 0:1 im Kreispokal gegen den A-Ligisten Ay Yildiz Derne sprach der Trainer des Fußball-Landesligisten SV Brackel 06 seinem Team den unbedingten Siegeswillen ab. „Das hat etwas mit Moral und Charakter zu tun“, sagte er am Mittwochabend nach der peinlichen Niederlage. Die beiden Eigenschaften sind im Endspurt der Landesligaspielzeit aber extrem wichtig.

„Unseren Verein gibt es jetzt über 100 Jahre. Aber noch nie ist eine erste Mannschaft zweimal in Serie abgestiegen.“
Olaf Schäfer, Vorsitzender SV Brackel

Das Team steckt aktuell im Sumpf fest. Einen mickrigen Punkt liegt der Klub nur noch vor dem ersten Abstiegsplatz. Der zweite Abstieg in Serie droht. „Unseren Verein gibt es jetzt über 100 Jahre. Aber noch nie ist eine erste Mannschaft zweimal in Serie abgestiegen“, sagt der Vorsitzende Olaf Schäfer.

SV Brackel ist mit dem Kopf noch in der Westfalenliga

„Wenn wir auf einen robust agierenden Gegner treffen, haben wir wenige Lösungen im Offensivspiel parat“, sagte Schiattarella erst kürzlich nach dem 1:4 in der Liga gegen den SuS Kaiserau. Ähnliche Probleme hat auch Schäfer ausgemacht: „Ich habe das Gefühl, dass einige Spieler glauben, wir sind noch in der Westfalenliga dabei und können alles spielerisch lösen. Das funktioniert in der Landesliga aber nicht mehr. Hier musst du in den Zweikämpfen bestehen.“

Fußball-Landesligist SV Brackel 06 droht der zweite Abstieg hintereinander

Giovanni Schiattarella war mit dem Auftritt seines SV Brackel gegen Ay Yildiz Derne alles andere als einverstanden. © Nils Foltynowicz

So auch am Sonntag (15.15 Uhr, Stadtgartenring 9, 44866 Bochum) gegen die DJK Wattenscheid. Das Heimteam hat nur drei Zähler mehr auf dem Konto als der SV Brackel. „Klar wollen wir gewinnen. Aber erstmal heißt es, bloß nicht verlieren“, sagt Schäfer.

Was die Verantwortlichen etwa ratlos macht, sind die unverständlichen Schwankungen innerhalb der Leistungen. Da gewinnt das Team mit 1:0 im Pokal gegen den Westfalenligisten Westfalia Wickede, um eine Runde später gegen einen A-Ligisten auszuscheiden. Da besiegt das Team den Landesliga-Tabellenführer FC Frohlinde mit 2:0 und im Anschluss noch den VfL Kemminghausen mit 4:0, lässt dann aber eine Serie von drei sieglosen Partien folgen. „Die Mannschaft hat auf jeden Fall das Potenzial um die Klasse zu halten, muss es abrufen“, sagt Schäfer.

Graudejus‘ appelliert an die Mannschaft

Torhüter David Graudejus sieht es genau so, appelliert aber an die Mannschaft: „Es liegt nur an uns. Letztes Jahr haben wir immer gesagt: ‚Nicht so schlimm, wir sind auf einem guten Weg.‘ Und dann sind wir abgestiegen. Das darf nicht noch einmal passieren.“

„Der Mannschaft fehlt die Abgewichstheit, das Ding auch einfach mal über den Zaun zu pöhlen, wenn es sein muss.“
David Graudejus, Torwart SV Brackel

Grundsätzlich gehe das Team mit der Situation sehr kritisch um, der Mannschaft fehle aber so ein bisschen „die Abgewichstheit, das Ding auch einfach mal über den Zaun zu pöhlen, wenn es sein muss.“ Woran es definitiv nicht liege, sei die Trainingsbeteiligung und die -Intensität: „Die sind überragend. Aber wenn wir dann schlecht spielen, bringt es wenig.“ Seinen Trainer bezeichnet Graudejus als „erstklassig!“

Auch Olaf Schäfer stellt Giovannia Schiattarella trotz der prekären Lage keinesfalls infrage. „Es liegt definitiv nicht an Giovanni. Es liegt an der Mannschaft. Giovanni wird auch in der kommenden Saison das Team trainieren. Er bekommt seine Chance, sich sein Team aufzubauen“, sagt Schäfer.

Fußball-Landesligist SV Brackel 06 droht der zweite Abstieg hintereinander

Torwart David Graudejus bemängelt die fehlende Cleverness seines Teams. © Nils Foltynowicz

Schiattarella kam erst im Mai 2018 zum Klub, konnte den Abstieg aus der Westfalenliga nicht mehr verhindern und kein Team nach seinen Vorstellungen für die kommende Spielzeit zusammenstellen.

14 Spieler aus dem zu Beginn der Saison 28-Mann-Kader werden dem Klub erhalten bleiben. Vier Neuzugänge hat der Klub bisher eingetütet, möchte die Namen aber nicht preisgeben. Vier weitere Neue sollen noch kommen, damit Schiattarella mit 22 Akteuren in die neue Saison geht. Schäfer geht fest davon aus, dass es weiter die Landesliga sein wird.

Graudejus auch. Er ist dann aber nicht mehr dabei, wechselt zum Bezirksligisten VfL Schwerte. „In seiner Zeit hier hat er sensationell gehalten. Leider macht sein Körper nicht mehr ganz so mit. Dadurch, dass er immer Fußball und Futsal gespielt hat, hat sein Körper ganz schön gelitten“, sagt Schäfer.

Graudejus kann seit Monaten weder schmerzfrei trainieren noch spielen. Graudejus habe für Brackel „immer alles reingeworfen. Von solchen Typen bräuchten wir hier mehrere.“

Nur wenige Brackeler stellen sich der Verantwortung

Tatsächlich haben sich in der Vergangenheit nach schwächeren Spielen oft nur Kapitän Niklas Rybarczyk, Abwehrchef Lukas Staudinger und eben Graudejus den Zuschauern im Vereinsheim gestellt. „Es fehlt so ein bisschen dieser alte Schlag“, sagt Graudejus und muss direkt schmunzeln: „Ich zähle mich mit 26 schon dazu.“

Der Keeper vermisst bei einigen Mitspielern „die Demut, hier Landesliga zu spielen.“ Zwar seien in der Mannschaft durchweg „Super-Typen“, aber „einige sollten sich vielleicht mal ein Bewusstsein dafür schaffen, wie viel die ganzen Ehrenamtler hier für den Erhalt des Vereins investieren.“

Lesen Sie jetzt