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Ein Weltmeister an der Linie eines Landesligisten. Kevin Großkreutz unterstützt den VfL Kemminghausen seit zehn Tagen. Mit einem Eifer, der an seine besten Zeiten auf dem Platz erinnert.

Kemminghausen

, 15.10.2018 / Lesedauer: 4 min

Seit dem Trainerwechsel von Thomas Faust zu Reza Hassani ist auch Kevin Großkreutz ein Teil des Funktionsteams beim VfL Kemminghausen. Unsere Redaktion berichtete vor einer Woche als erstes über die Tätigkeit von Großkreutz, die im Anschluss deutschlandweit Anklang fand. Bei seinem Heimspieldebüt gegen den SSV Buer (2:2) präsentierte sich der Fußballprofi am Sonntag eher als Mentor und Co-Trainer, nicht gerade als Berater, wie er sich selbst nennt.


Eine Chronologie von Großkreutz‘ Tag an der Seitenlinie:

14.35 Uhr: Das Warmmachen beginnt - Und, wer war mit als erstes auf dem Platz? Natürlich Kevin Großkreutz. Er geht voran, auch beim Warmmachen. Hassani überlässt Großkreutz die Aufsicht und bleibt im Vereinstrakt.


14.59 Uhr: Erfüllte Kinderwünsche - Zwischen Einzelgesprächen mit Spielern findet der ehemalige Profi des BVB auch noch Zeit, einige Fotowünsche von Fans zu erfüllen und unterschreibt den Fußball eines kleinen Jungen im Borussen-Trikot. Echte Liebe.


15.10 Uhr: Letzter Flachs vor Spielbeginn - Die Mannschaft des VfL kommt zum Spielbeginn. Wieder geht Großkreutz voran und kommt als Erster aus dem Kabinentrakt. Selbst für einen Flachs mit Betreuer Tobias Hasenack ist kurz vor Spielbeginn noch Zeit. „Hasenack, mach deine Zigarette aus“, sagt Großkreutz - und lacht.


15.17 Uhr: Großkreutz in der Coaching-Zone - Mit Beginn des Spiels ist der 30-Jährige gleich Feuer und Flamme. Er setzt sich nicht auf die Trainerbank. Gemeinsam mit Hassani dirigiert er die VfL-Defensive, zeigt den Offensivakteuren Laufwege auf und bespricht sich mit dem Coach, sobald etwas nicht passt. Großkreutz versprüht unglaublich viel positive Energie. „Sehr gut gemacht“, „Immer weiter“, „Ruhig bleiben“.

Heimpremiere des Weltmeisters: Kevin Großkreutz voller Eifer beim VfL Kemminghausen

Anweisungen an die Mannschaft: Kevin Großkreutz (l.) und Reza Hassan coachen den VfL Kemminghausen. © Laryea

15.36 Uhr: Das 0:1 - Der in Eving aufgewachsene 30-Jährige bleibt selbst beim Führungstreffer der Gäste durch Vahdet Özbek (19.) positiv. Zwar winkt er für einen kurzen Moment frustriert ab und dreht sich weg, doch schon im Anschluss bespricht er sich mit Hassani über die Fehlerkette und mögliche Änderungen.


15.42 Uhr: Wortführer Großkreutz - Wie viel Gewicht das Wort des Drittliga-Spielers des KFC Uerdingen hat, wird in der ersten Unterbrechung hörbar. Die VfL-Elf versammelt sich während einer Verletzungspause an der Seitenlinie - und Großkreutz ergreift das Wort: „Immer weiter, immer weiter. Ruhig bleiben, die hatten bis jetzt nur eine Torchance.“


15.56 Uhr: Der Ausgleich - Ein Innenverteidiger sorgt für die Erlösung und Jubelstürme an der VfL-Bank. Kemal Avci setzt einen Freistoß aus 25 Metern perfekt in die rechte obere Torecke. Großkreutz läuft dem Torschützen entgegen, beide treffen sich auf dem Platz und umarmen sich.

16.03 Uhr: Mit Lob in die Kabine - Mit einem lautstarken „Gut, Grün“ befeuert Großkreutz den Gang in die Kabine. Und kam - natürlich - auch direkt wieder als erster heraus, um Markus Bednarek für seine Einwechslung Bescheid zu geben. „Er hilft mir wirklich sehr - auch mit den Wechseln“, spricht Hassani ein Lob an Großkreutz aus.


16:36 Uhr: Die Führung für den VfL - Großkreutz ruft Hyusein Sadula, der den Ball durch das Mittelfeld führt, mehrmals zu: „Rechts raus.“ Sadula erkennt die Situation dann auch und schickt den gestarteten Nico Höhme. Dessen Flanke nimmt Bednarek (62.) volley und sorgte so für die zweite VfL-Ekstase an der Seitenlinie. Großkreutz springt mehrfach in die Luft, streckt seine Fäuste in die Luft und klatscht Trainer Hassani ab. Begeisterung am Gretelweg.


16.44 Uhr: Was ist mit dem Keeper los? - Die Sonne steht tief, Viktor Theisen im VfL-Tor sieht in der zweiten Halbzeit nicht mehr viel. Großkreutz erkennt das und fordert sofort eine Kappe für den Schlussmann, die möglicherweise auch dazu beigetragen hat, dass Theisen einen Handelfmeter (70.) pariert.

Heimpremiere des Weltmeisters: Kevin Großkreutz voller Eifer beim VfL Kemminghausen

Mittendrin: Kevin Großkreutz ist wieder Teil seines Heimatklubs VfL Kemminghausen. © Laryea

16.49 Uhr: Der Tröster - Buer wird immer stärker, drängt auf den Ausgleich. Großkreutz merkt das und fordert mehr Ruhe ein von seiner Mannschaft. Doch es hilft nicht: Ibrahim Ramadan (75.) sorgt mit einem Schlenzer für das 2:2. Geknickte Gesichter an der Seitenlinie, Großkreutz schnaubt und ärgert sich. Er setzt sich kurz auf die Trainerbank, sieht zerknirscht aus. Kurz darauf steht er wieder an der Seitenlinie und will sein Team nach vorne peitschen. Doch hinter ihm ruft jemand: „Papa, Papa, Papa.“ Großkreutz dreht sich um, seine Freundin Caro ist mit der Tochter am Platz angekommen. Die gibt Papa einen Kuss, der gleich wieder ein Lächeln im Gesicht hat. Ein schöner Trost.


Nach Abpfiff: Die Enttäuschung weicht - Nach Abpfiff nimmt Großkreutz seine Tochter in den Arm, geht mit ihr zum Spielerkreis. „Das erste Heimspiel an der Seitenlinie bei meinem Heimatverein ist etwas Schönes“, so Großkreutz. Der Ärger über das Remis ist gewichen. Er freut sich jetzt, viele Bekannte zu treffen, schießt Fotos mit Fans. Dann wird er noch einmal analytisch: „Die Qualität hier im Kader ist riesengroß. Wir wollen in das sichere Mittelfeld, das ist unser Ziel und dafür arbeiten wir hart.“ Mit seinem Elan ist das Ziel schnell erreicht.

Team und Tore
VfL: Theisen - Ersoy, Becker, Avci, Jänicke - Yarhdi (46. Bednarek), Keimer, Ruocco (87. Osmani) - Emokpaire, Sadula, Höhme (64. Ballhout) Tore: 0:1 Özbek (19.), 1:1 Avci (39.), 2:1 Bednarek (62.), 2:2 Ibrahim (75.)
Bes. Vorkomnisse: Theisen pariert Handelfmeter (70.)
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