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Die „Lairds of Tremonia“ sind verrückt nach den Highlandgames. Für die Dortmunder ist es „Leichtathletik in ihrer ursprünglichen Form“. Auch wir haben uns an Baumstämmen und Co. versucht.

Asseln

, 02.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Der Mann, der die Highlandgames nach Dortmund brachte, heißt Kai Blakemore. Er verrät seinen Namen erst ganz am Ende des Termins am Rande eines Rasenfußballplatzes „Auf dem Bleck“ in Asseln und wenn die Jungs in der halben Stunde zuvor nicht ohnehin schon Baumstämme geschmissen, Heusäcke geworfen und Steinkugeln in die Höhe gehievt hätten, dann wäre spätestens das der Moment, in dem man hinter den Bäumen ein schottisches Herrenschloss erwarten würde, das Schloss der „Lairds of Tremonia“, der Herren von Dortmund, so nennen sie ihren Clan.

Aber natürlich steht da kein Schloss. Und Kai Blakemore versichert mit einem Lächeln, dass er eigentlich gar keinen britischen Familienhintergrund habe, sondern das der Name seiner Frau sei, den er bei der Hochzeit angenommen habe. Und als im Hintergrund ein Feuerwehrauto auf den Rasen fährt, um ihn mit großen Schläuchen zu wässern, ist die Illusion, sich in einer schottischen Grafschaft zu befinden, ein bisschen zerstört.

Gesucht werden die stärksten und schnellsten Männer

Highlandgames, das sind im Mittelalter bei Treffen zwischen schottischen Clans ausgetragene Wettkämpfe, bei denen die stärksten und schnellsten Männer des Landes ermittelt wurden, um im Anschluss in den Dienst des Königs einzutreten. Dabei wurden unter anderem Baumstämme aus den eigenen Händen katapultiert, Hufeisen geworfen und Tauziehen veranstaltet.

Doch wenn die Herren von Dortmund in Wirklichkeit tatsächlich aus Tremonia kommen, also gar keine Schotten sind, warum dann Highlandgames und nicht ganz normale Leichtathletik bei der LG Olympia? „Das hier ist Leichtathletik in ihrer ursprünglichen Form“, sagt Blakemore.

Bei den Highlandgames „ist alles ein bisschen lockerer“

Tatsächlich entlieh der Begründer der modernen Olympischen Spiele, Baron de Coubertin, den Hammerwurf, das Kugelstoßen und das Tauziehen den Highlandgames, die er bei der Weltausstellung in Paris 1889 gesehen hatte.

Tauziehen flog 1921 aus dem Programm, die anderen beiden sind bis heute olympisch. Aber bei den Highlandgames „ist alles ein bisschen lockerer“, sagt Blakemore. „Und außerdem würden mir enge Trikots nicht stehen.“ Tatsächlich sind Highlandgames, egal ob im Breitensport oder bei den Profis, Volksfeste mit Dudelsackmusik und Whisky. War das der Grund für die Gründung des Highlandclans? „Ich habe das erste Mal Whisky bei meiner Mutter probiert und hab gedacht: Schmeckt. Das. Scheiße.“ Heute sei das zwar anders, aber das war nicht der Grund, einen Clan zu gründen.

Jährliche Veranstaltung im Maximilanpark in Hamm

Vielmehr seien Blakemore und seine Clanmitglieder einfach „Schottland, England, UK-affin“ und hätten deshalb vor zwei Jahren beschlossen, sich mal eine solche Veranstaltung anzuschauen. Im Maximilianpark in Hamm findet sie jährlich statt: „Und als wir das gesehen haben, dachten wir: Da machen wir nächstes Jahr auch mit!“

Kurioser Sport: In Asseln fliegen Baumstämme, Heusäcke und Steinkugeln

Oliver Körner, Matthias Lettow, Julian Probst, Robert Wendt, Marcel Lupp, Marcus Linke, Benjamin Larfeld und Kai Blakemore sind die „Lairds of Tremonia“. © Kisker

Im vergangenen Jahr wurden sie 12. von 40 Teams „und da waren wir von den Punkten her sogar besser, als ein alteingesessener Highland-Clan, obwohl sich bei uns zwei verletzt hatten und wir noch eine Frau mit dazugenommen hatten. Damit hätten wir beim ersten Mal nicht gerechnet“ sagt Blakemore.

Das Ziel in diesem Jahr sind die Top Ten und deshalb stehen sie jetzt hier und trainieren für die Highlandgames am 25. August – wieder in Hamm.

Das Problem mit dem Trainingsplatz haben sie nach einem Spießrutenlauf vorbei an zahlreichen Bauern – „die hatten Angst, dass wir ihnen ihr Feld kaputtmachen“ – in Asseln gelöst. Die „Lairds of Tremonia“ sind nun Mitglied beim Freizeitfußballverein Asseln und dürfen als solche die Platzanlage nutzen: „Nur der Fußballplatz selbst ist tabu“, sagt Blakemore. Drumherum ist allerdings genug Platz, um etwa mit einer Mistgabel einen Heusack über eine Hürde zu werfen. „Außerdem können wir hier unser Equipment lagern“, freut sich Blakemore.

Ziel sind die Deutschen Meisterschaften

Das größere Problem sei vielmehr, dass sie nicht genügend Mitglieder hätten. Denn die zehn, die sie haben, „können halt nicht immer, weil einige Schichtdienst haben.“ Für Highlandgames benötigt man mindestens sechs, denn die unterschiedlichen Disziplinen – in Hamm sind es zwölf – werden von fünf Teammitgliedern absolviert. Eins setzt jeweils aus, Verletzungen noch nicht eingerechnet.

Das heißt: Die Herren brauchen Nachwuchs. „Wir sind offen für alle, die Bock darauf haben und laden sie herzlich ein, mitzumachen.“ Das Ziel ist, sagt Blakemore, irgendwann einmal an der Deutschen Meisterschaft teilzunehmen. Die ist offen für alle, im vergangenen Jahr gewann sogar der Clan „Dragon Fighters“ aus Hamm.

Wer also keine Angst vor Männerröcken und Whisky hat, sich schon immer mal fühlen wollte, wie ein schottischer Kämpfer und außerdem Interesse an den „Lairds of Tremonia“ hat, der kann sich einfach bei den Jungs melden. Selbst, wenn er keinen britischen Namen trägt.

Training alle zwei Wochen: Die Lairds of Tremonia trainieren alle zwei Wochen auf dem Sportplatz des FFV Asseln. Infos: Lairds-of-Tremonia.de, facebook.com/LairdsOfTremonia
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