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Wie bekommen Amateur-Klubs Informationen über den Gegner? Bisher ist das schwer. Der frühere Trainer Mark Elbracht will Abhilfe schaffen.

Dortmund

, 30.08.2018 / Lesedauer: 5 min

Plötzlich stand Mark Elbracht im vergangenen Winter etwas ratlos da. Die große Lust auf einen Trainerjob war nicht mehr da. Dem Fußball-Bezirksligisten Dorstfelder SC hatte er gerade mitgeteilt, dass er in der kommenden Spielzeit als Sportlicher Leiter nicht mehr zur Verfügung stehe. Und jetzt? Ganz ohne Fußball? Auf keinen Fall. Der 44-Jährige machte sich Gedanken, grübelte, wie er dem Fußball erhalten bleiben könne. Er dachte nach, was ihm als Trainer immer gefehlt hatte. „Und dann kam die zündende Idee“, sagt Elbracht. Scouten für Amateur-Fußballklubs.

Fußball gucken für den Auftraggeber

Sein Plan: sonntags Fußball gucken und für einen Auftraggeber ein Team ausspähen. Für 40 Euro plus Fahrtkosten pro Spiel. Er hatte als Coach die Erfahrung gemacht, dass er immer bestmöglich auf den Gegner vorbereitet sein wollte. „Klar hat auch jemand aus dem Klub für dich mal den nächsten Gegner angeschaut. Aber die Analysen waren nie so gut, wie ich sie mir gewünscht hätte.“

Drei Spieltage sind jetzt in den Amateur-Ligen absolviert, und „das Projekt ist schon so gewachsen, wie ich es mir kaum vorstellen konnte“, sagt Elbracht. Am Anfang stand er komplett alleine da, bastelte sich mit dem Webseitenanbieter Jimdo eine Homepage zusammen. „Zum Glück ist das ein ganz einfaches Baukastenprinzip. So einfach, dass auch ich das hinbekommen habe“, scherzt der ehemalige Trainer des ASC 09 Dortmund. Er sprach mit Trainerkollegen, ob es überhaupt einen Markt für sein Angebot gebe.

Resonanz war durchweg positiv

Die Resonanz sei durchweg positiv gewesen. Zwei Wochen vor Saisonbeginn machte er über die sozialen Netzwerke auf sich aufmerksam. Bewarb hier seine Internetseite amateurscout.de. Die Anfragen kamen sofort - und zwar so viele, dass er diese gar nicht alleine stemmen konnte.

Erst nahm er Ingo Kuhl mit ins Boot, dann Matthias Schwesig. An den ersten drei Spieltagen standen sie schon auf acht Sportplätzen. Elbracht besitzt die B-, Kuhl die C- und Schwesig sogar die A-Lizenz.

Risse zeigt Interesse

Einer der ersten Interessenten war Trainer Marc Risse vom Bezirksligisten TuS Eichlinghofen. „Ich halte Mark Elbracht für einen der größten Experten in Dortmund. Er hat ein riesiges Fachwissen und ist fußballverrückt“, sagt Risse. Elbracht scoutete für den TuS den Liga-Favoriten FC Nordkirchen.

Im Anschluss verlor Eichlinghofen trotzdem mit 0:4 gegen Nordkirchen. „Da saß ich am Abend zu Hause und habe gegrübelt“, sagt Elbracht. Er suchte das Gespräch mit Risse. „Ich habe Mark dann klargemacht, dass er keine Verantwortung für die Niederlage trage und seine Analyse hochwertig war. Ohne die hätten wir wohl noch höher verloren“, erklärt Risse.

Eichlinghofen muss auf wichtige Spieler verzichten

Der Konkurrent hatte plötzlich zwei neue Spieler im Vergleich zur Vorwoche auf dem Feld, dem TuS fehlten wichtige Akteure. „Das sind alles Dinge, die ich in einer Analyse nicht berücksichtigen kann“, sagt Elbracht.

Mark Elbracht: Scout für die Amateurfußballer

Mit dem Tablet am Spielfeldrand stehend sammelt Mark Elbracht Informationen. © Stephan Schütze

Besser lief es dann für Elbracht und seinen Auftraggeber Eichlinghofen gegen Viktoria Kirchderne. Auch den Klub hatte der 44-Jährige gescoutet. Das Duell gewann Eichlinghofen mit 1:0. „Natürlich hat seine Analyse uns geholfen. Es darf aber nicht vergessen werden, dass die nur ein Faktor auf dem Weg zum Erfolg ist“, sagt Eichlinghofens Coach.

Saitner meldet sich bei Elbracht

Elbracht bekam plötzlich einen Anruf eines alten Bekannten. Sebastian Saitner meldetet sich. Mit dem hatte Elbracht vor sieben Jahren seine Trainer-Lizenz gemacht. Saitner wollte mehr über Elbrachts Projekt wissen. „An dem Tag, an dem wir intensiv über amateurscout.de gesprochen haben, konnte ich abends nicht einschlafen“, sagt Saitner.

Er rief zwei Freunde an, einen Marketing-Experten und einen Webpage- und App-Entwickler. Am vergangenen Sonntag trafen sich alle Vier, sprachen über das Projekt und schauten sich unter anderem die Seite helpling.de an, auf der deutschlandweit Putzhilfen übers Internet bestellt werden.

Klubs sehen, ob Scouts verfügbar sind

Sie dachten in dem Moment groß. Ganz groß. „Warum bauen wir nicht eine Plattform auf, die ermöglicht, Vereinen aus ganz Deutschland Scouts anzubieten?“, fragt Elbracht. Interessierte Scouts sollen sich auf der Seite amateurscout.de registrieren und die Klubs können sehen, ob es in ihrer Region mögliche Scouts gibt.

Sie wurden sich schnell einig, aus amateurscout.de etwas Großes entwickeln zu wollen. Sie denken nicht nur lokal, sondern bundesweit. „Mark ist aus meiner Sicht in eine Marktlücke gestoßen. Ich bin überzeugt von der Nummer“, sagt Saitner. Elbracht glaubt auch daran, dass sich „sein Baby“ zu einer großen Nummer entwickeln kann.

Qualität ist entscheidend

Jetzt wird erst die Homepage überarbeitet, eine App entwickelt, von der aus Vereine Scouts buchen können. In der App sollen aber auch die Vorlagen für die Scouts liegen. Denn eins ist Elbracht ganz wichtig: Qualität. „Ohne die werden wir unsere Kunden verlieren.“ Deshalb müssten alle Scouts ähnliche Arbeiten abliefern.

Aktuell investiert Elbracht sieben Stunden für eine Analyse, liefert die am Montag bei den Klubs ab. „Das ist perfekt. Da können wir doch Marks Anmerkungen gleich am Dienstag in unser Training einfließen lassen“, sagt Risse.

Arbeit soll effizienter werden

Elbracht gibt aber zu, dass sieben Stunden für eine Analyse viel zu lang seien. „Das rechnet sich für uns dann finanziell gar nicht mehr“, sagt er. Er erhofft sich durch den neuen Entwickler im Team, bald mit neuen Tools arbeiten zu können, die seine Arbeit effizienter machen. Aktuell steht er mit einem Tablet am Rand des Spielfelds und notiert sich alles Wichtige für die Trainer: Mit welcher Grundordnung spielen die Teams? Wer sind die überragenden Spieler? Wie kann man taktisch gegen den Konkurrenten punkten?

„Wenn ich sehe, dass der rechte Außenverteidiger immer hoch zieht und Raum preisgibt, wird in der Analyse stehen, dass dieser Raum durch schnelles Umschaltspiel gut genutzt werden kann“, gibt Elbracht ein Beispiel. Videoanalysen bietet er nicht an.

Neue Scouts sollen dazu kommen

Sein nächster Schritt ist, neue Scouts zu generieren. Er denkt da nicht nur an Trainer im Ruhestand, er denkt auch an Schiedsrichter. „Wichtig ist nur, dass die neuen Scouts Ahnung von Fußball haben“, sagt Elbracht.

Der ehemalige Spieler des BVB steckt voller Tatendrang. „Ich würde gerne alle mir bekannten Trainer anrufen und ihnen unseren Service nahelegen. Das kann ich aber gar nicht machen, weil ich so viele kenne, dass ich bei einer großen Nachfrage Nein sagen müsste. Und das will ich nicht zum Start.“

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