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Nach langer Zwangspause: Christina Hammer steht endlich wieder im Ring

rnDortmunder Boxerin

Die 28-jährige Christina Hammer kämpft nach siebenmonatiger Kampfpause in Berlin gegen die Georgerin Elene Sikmashvili. Die Kämpferin aus Dortmund hat aber eine ganz andre Gegnerin im Kopf.

Dortmund

, 08.02.2019 / Lesedauer: 3 min

Es ist mal wieder ziemlich voll im Box-Leistungszentrum in der Helmut-Körnig-Halle. Gut 25 Boxer aller Altersklassen springen Seilchen, bearbeiten die mächtigen Sandsäcke, stehen sich im Ring zum Sparring gegenüber.

Mittendrin in diesem Gewusel Christina Hammer, ihr Gegenüber im durchschwitzten grauen Trainings-Hoody heißt Flamur Haxha, ein Boxer aus dem Verein von Dimitri Kirnos, Christina Hammers Trainer. Die Anweisungen des 81-Jährigen schneiden messerscharf durch die stickige Atmosphäre. Schweiß liegt in der Luft.

Hammer ist froh, dass ihre Zwangspause vorbei ist. Am Samstag klettert die Dortmunder Box-Weltmeisterin im Mittelgewicht in Berlin im Rahmen von Petko’s Fight Night gegen die Georgierin Elene Sikmashvili zu einem Aufbaukampf über acht Runden in den Ring.

Beim Abschlusstraining in der Helmut-Körnig-Halle holte sich die 28-Jährige den letzten Feinschliff nach der siebenmonatigen Kampfpause. Geht alles gut, dann steht im Frühjahr das heiß ersehnte und mehrmals verschobene Duell gegen die US-Amerikanische Doppel-Olympiasiegerin Claressa Shields an.

Hammers Sparringspartner sind Männer

„Arbeiten, arbeiten, noch zehn Sekunden, weiter, weiter“, ruft Kirnos Richtung Hammer. Dass Hammer im Sparring seit geraumer Zeit gegen Männer antritt, hat einen einfachen Grund. Erstens gibt’s in der Region keine ähnlich starken Boxerinnen. Und zweitens bevorzugt auch sie den athletischen Stil des Männer-Boxens.

Die 28-Jährige ist gut drauf, das ist auf den ersten Blick zu erkennen. „Jetzt ist ja nicht mehr viel zu machen, die Form habe ich mir in den vergangenen Wochen geholt“, schmunzelt Hammer, verhüllt in einem dicken Kopfschutz und eingepackt in drei Lagen Trainings-Klamotten.

Die vergangenen Wochen hatten es in der Tat in sich. Erst Anfang Dezember war die Weltmeisterin körperlich so weit, dass sie wieder voll belastbar war. Elf Trainingseinheiten pro Woche standen auf dem Programm. Von montags bis freitags jeweils zwei, samstags eine Einheit. Nur der Sonntag war frei.

Nach langer Zwangspause: Christina Hammer steht endlich wieder im Ring

Im Juni verteidigte Christina Hammer erfolgreich ihre Titel. © dpa

Das sei zunächst nicht ganz einfach gewesen, so die Dortmunderin, die ihren letzten Kampf im Juni 2018 in Detroit absolviert hatte - die erfolgreiche WM-Titelverteidigung in allen vier großen Mittelgewichts-Titeln (WBA/WBC/WBO/IBF) gegen Tori Nelson.

Coach lässt ungewöhnlich trainieren

Danach folgten Monate, die sie in ihrer bislang zehnjährigen Profi-Laufbahn mit 23 siegreichen Kämpfen und zehn Knock-outs noch nicht kannte. Erst die Trennung von Manager Harald Pia, dann die Diagnose von einer Gluten-Unverträglichkeit.

Es folgte eine lange Pause der Unsicherheit, physisch wie psychisch. Mehr als ein behutsames Ausgleichstraining war nicht drin. „Jetzt will Christina wieder boxen“, erklärte Dimitri Kirnos, „das ist jetzt ein ganz neues Gefühl.“

„Christina will wieder boxen, das ist ein ganz neues Gefühl.“
Dimitri Kirnos

Es scheint wieder alles zu stimmen, so wie zu ihrer besten Zeit. Kirnos hatte unkonventionelle Trainings-Methoden angewandt. „Wir haben den Technik-Anteil im Training erhöht, das hat Christina gutgetan“, so der 81-Jährige, der seinen Schützling ansonsten auch gerne mal mit einem kiloschweren Vorschlaghammer auf einen ausgedienten LKW-Reifen schlagen lässt.

„Von meiner Darmerkrankung spüre ich nichts mehr“, so Hammer, die als jüngste deutsche Box-Weltmeisterin aller Zeiten seit zehn Jahren die Mittelgewichts-Klasse dominiert. Am Donnerstag reiste Christina Hammer mit Trainer Kirnos nach Berlin. Zuerst die obligatorische Pressekonferenz, am Freitag dann der Gang auf die Waage, die nicht mehr als 72,574 Kilogramm zeigen durfte. „Kein Problem“, lachte Hammer.

Die Gegnerin wirft Fragen auf

Und die Gegnerin, macht die auch keine Probleme? Über Elene Sikmashvili aus Georgien ist nicht besonders viel bekannt. „Aber“, so Trainer Dimitri Kirnos, „das macht sie ja so gefährlich. Wir wissen eigentlich nichts von ihr.“

Nun gut, nichts ist etwas übertrieben. Zumindest nicht besonders viel Positives. Seit ihrem Debüt vor knapp sechs Jahren hat Sikmashvili bislang 15 Kämpfe bestritten, davon acht gewonnen, meist gegen No-Name-Boxerinnen. Krachende Niederlagen setzte es dagegen in den Fights gegen Nikki Adler oder Maria Lindberg.

„Die Gegnerin spielt keine Rolle, ich brauche einfach wieder Kampferfahrung, bevor ich gegen Shields antrete“, erklärte Christina Hammer. Ein schneller K.o. dürfte allein aus diesem Grunde ausgeschlossen sein.

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